Millionenprojekt: Wie ein engagiertes Ehepaar ein 340 Jahre altes Gutshaus vor dem Verfall bewahrt
In Groß Salitz bei Gadebusch kehrt neues Leben in ein bedeutendes Stück mecklenburgischer Geschichte ein. Das barocke Gutshaus aus dem Jahr 1685, eines der ältesten Fachwerk-Gutshäuser der Region, wird durch das Engagement von Susanne Sohayegh und ihrem Mann Thomas Möller vor dem endgültigen Verfall gerettet. Am 27. Februar 2026 erhält die Eigentümerin einen symbolischen Fördervertrag über 205.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Fördermittel sichern Adelsgeschichte
Die Westfassade des historischen Bauwerks steht nun im Fokus der umfassenden Sanierungsarbeiten. Jürgen Hansen, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, überbringt den Förderbescheid, der aus Spenden, Beiträgen der Gerlind & Ernst Denert-Stiftung und Erträgen der GlücksSpirale finanziert wird. Für die DSD ist das Gutshaus kein unbekanntes Projekt – bereits seit 2021 wird das Ensemble gefördert und zählt zu mehr als 660 Denkmälern in Mecklenburg-Vorpommern, die durch die Stiftung erhalten werden konnten.
Ein Adelssitz mit bewegter Vergangenheit
Das Gutshaus Groß Salitz gilt als seltenes Beispiel barocker Landbaukunst und steht in direkter Nachfolge der jahrhundertealten Adelsfamilie von Lützow, die bereits seit dem 14. Jahrhundert in Groß Salitz ansässig war. Bis 1945 blieb das Anwesen im Besitz der Familie, deren Name spätestens seit dem berühmten Freikorpsführer Ludwig von Lützow in den Befreiungskriegen nationale Bekanntheit erlangte. Das Herrenhaus beeindruckt durch seine zweigeschossige Fachwerkarchitektur mit vorkragendem Obergeschoss, hohem Walmdach und einem charakteristischen halbrunden Eckturm.
Vom Verfall zur Wiederbelebung
Nach dem Zweiten Weltkrieg durchlebte das Gutshaus wechselvolle Jahrzehnte: Es diente als Typhus-Krankenhaus, Schule, Kindergarten, Konsum und LPG-Stützpunkt. Zu DDR-Zeiten war das Haus zentraler Treffpunkt des Dorflebens, danach begann der schleichende Verfall. Erst mit dem Engagement von Susanne Sohayegh und Thomas Möller kam die Rettung. Das Paar erwarb das heruntergekommene Bauwerk 2018, entrümpelte das Anwesen akribisch und startete erste Sicherungsmaßnahmen.
Sanierung mit historischer Präzision
Neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz helfen private Zustifter und weitere Stiftungen beim Wiederaufbau des Baujuwels. Restauratoren, Bauhistoriker und Ingenieure arbeiten eng zusammen, um die originale Substanz zu sichern. Eine dendrochronologische Untersuchung datiert die verwendeten Hölzer präzise auf das Baujahr 1685 – ein wertvoller Beleg für die Authentizität des historischen Bauwerks. Der Park, der einst als Müllhalde diente, wird seither wieder nach historischem Vorbild gestaltet.
Zukunft als lebendiger Kulturort
Susanne Sohayegh plant, das Gebäude künftig als Wohn- und Kulturort zu öffnen. Bereits während der Bauphase fanden Konzerte und Denkmaltage mit mehreren hundert Besuchern statt. Die Sanierung der Ost- und Südfassaden ist abgeschlossen, nun folgt die Westseite. Die Investitionen summieren sich mittlerweile auf einen siebenstelligen Betrag. „Wir wollen zeigen, dass Denkmalschutz kein Luxus, sondern lebendige Kulturpflege ist“, betont die Eigentümerin.
Wenn 2030 die Bauarbeiten abgeschlossen sind, soll das einst verfallene Herrenhaus wieder als Mittelpunkt des Dorfes erstrahlen. Groß Salitz, einst Stammsitz alten Adels, wird so erneut zu einem Ort mit Zukunft – ein Symbol dafür, dass aus historischen Ruinen neue Geschichten entstehen können.



