Pendler in der Ungewissheit: Ersatzverkehr auf Berlin-Hamburg-Strecke steht auf der Kippe
Seit Monaten ersetzen rund 200 Ersatzbusse mit 500 Fahrern die Personenzüge auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg. Dieser gigantische Schienenersatzverkehr, organisiert vom Mobilitätsunternehmen Ecovista, sollte ursprünglich neun Monate andauern. Doch nun wirft eine unerwartete Verzögerung der Generalsanierung durch die Deutsche Bahn alles über den Haufen.
Bahn verzögert Bauarbeiten – Ersatzverkehr in der Schwebe
Die Deutsche Bahn musste zu Beginn der vergangenen Woche einräumen, dass die Bauarbeiten nicht wie geplant bis zum 30. April abgeschlossen sein werden. Als Begründung nannte sie die Verlegung von 740 Kilometern Kabel, die bei Schnee und Eis technisch nicht möglich sei. Die Bahn betonte, alles daran zu setzen, den Rückstand aufzuholen, doch ein neuer Fertigstellungstermin bleibt unbestimmt.
Diese Entwicklung stellt die Zukunft des Ersatzverkehrs massiv in Frage. Tausende Pendler zwischen den beiden größten deutschen Städten bangen nun, ob sie ab dem 1. Mai weder Zug noch Bus zur Verfügung haben werden. Ecovista, das den bisherigen Ersatzverkehr organisiert, kann keine verbindliche Aussage treffen.
Ecovista in schwierigen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn
Auf Nachfrage des Nordkurier verwies ein Sprecher von Ecovista auf eine „komplexe Gesamtlage“ und bat um Geduld. Das Unternehmen stehe in engem Austausch mit der Deutschen Bahn und weiteren Beteiligten, doch die Abstimmungen dauerten noch an. Eine Entscheidung, ob die Busflotte nach April weiter zur Verfügung steht, wurde bislang nicht getroffen.
Ecovista sicherte zu, die Öffentlichkeit möglichst schnell zu informieren, sobald die offenbar schwierigen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn zu einem Ergebnis führen. Derzeit herrscht jedoch vollkommene Unklarheit für die betroffenen Pendler, die dringend Planungssicherheit benötigen.
Heftige Kritik von betroffenen Bundesländern
Die Regierungschefs der von der Sperrung betroffenen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Berlin und Hamburg zeigen sich verärgert. Sie kritisieren scharf, dass die Bahn über eine Verlängerung der Bauarbeiten entschieden habe, ohne die Länder vorher umfassend zu informieren und ohne einen abgestimmten, verlässlichen Zeitplan vorzulegen.
In einem Brief an Bahn-Chefin Evelyn Palla fordern die Ministerpräsidenten eine Klärung und einen konkreten Maßnahmen- sowie Zeitplan bis zum 2. März 2026. Ob bis dahin auch eine Einigung hinsichtlich des Schienenersatzverkehrs erzielt werden kann, bleibt abzuwarten. Die Pendler zwischen Berlin und Hamburg müssen weiter zittern – und hoffen, dass nicht bald sowohl Zug als auch Bus ausfallen.



