Fahrlehrer in Vorpommern kämpfen mit Sprachbarrieren und sinkender Aufmerksamkeit
Fahrlehrer: Sprachbarrieren und Aufmerksamkeit als Herausforderung

Hohe Durchfallquote bei Fahrprüfungen in Mecklenburg-Vorpommern

Die praktische Fahrprüfung stellt für viele Fahrschüler in Mecklenburg-Vorpommern eine große Hürde dar. Aktuelle Zahlen des Automagazins Carwow belegen, dass im Jahr 2024 jeder dritte Prüfling durch die praktische Fahrprüfung fiel. Bei der theoretischen Prüfung war sogar fast jeder zweite Fahrschüler nicht erfolgreich. Damit belegt Mecklenburg-Vorpommern im bundesweiten Vergleich den zehnten Platz in der unteren Hälfte der Rangliste. Das Schlusslicht bildet Hamburg mit lediglich 56 Prozent bestandenen praktischen Prüfungen.

Sprachliche Herausforderungen im Fahrunterricht

Fahrlehrer in Vorpommern sehen sich zunehmend mit Sprachbarrieren konfrontiert, die den Unterricht erschweren. Ronald Müller aus Greifswald berichtet: „Es ist wirklich nicht einfach, Menschen, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, das Fahren beizubringen.“ Neben den rein sprachlichen Schwierigkeiten müssen auch kulturelle Unterschiede im Verkehrsverhalten vermittelt werden. „Wie in Deutschland Auto gefahren wird, unterscheidet sich mitunter ja auch von anderen Ländern. Das müssen wir natürlich auch erstmal mit unterrichten“, erklärt Müller.

Sein Kollege René Thom aus Pasewalk betont die Sicherheitsaspekte: „Wer in ein Fahrschulauto steigt, soll des Deutschen mächtig sein. Da geht es ja auch um Sicherheit. Ohne eine gute Verständigung geht da nichts.“ Der Fahrlehrer fügt hinzu: „Der Prüfer von der DEKRA oder ich, wir sprechen ja auch kein Hocharabisch.“

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Sinkende Aufmerksamkeit durch digitale Ablenkung

Die Sprachbarrieren stellen jedoch nur einen Teil des Problems dar. Beide Fahrlehrer sind sich einig, dass die sinkende Aufmerksamkeitsspanne der Fahrschüler eine wesentliche Rolle spielt. René Thom vermutet: „Ich vermute, dass die Schüler durch TikTok, Instagram und Co. einfach zu sehr abgelenkt sind und ihre Aufmerksamkeitsspanne darunter leidet.“ Hinzu kommen seiner Ansicht nach Prüfungsängste, die die Erfolgsquote weiter senken.

Die niedrige Bestehensquote hat direkte finanzielle Auswirkungen für die Fahrschüler. „Wir würden keine Schüler zur Prüfung zulassen, wenn wir nicht auch das Gefühl hätten, dass sie dafür bereit sind“, sagt Fahrlehrer Müller. „Aber diese niedrige Bestehensquote ist natürlich auch ein Grund dafür, dass der Führerschein immer teurer wird.“

Ausblick auf die geplante Führerscheinreform

Ob die geplante Führerscheinreform Abhilfe schaffen kann, bleibt ungewiss. Die Reform sieht vor, dass künftig deutlich mehr Fahrstunden am Simulator stattfinden sollen – eine Maßnahme, die in der Fahrlehrerschaft auf wenig Begeisterung stößt. „Ich denke schon, dass mit weniger Pflichtfahrstunden auch die Sicherheit auf den Straßen leiden könnte“, äußert sich Müller skeptisch. Die Umsetzung der Reform ist frühestens für das Jahr 2027 vorgesehen.

Die Experten verweisen darauf, dass der Verkehr in Großstädten während der Praxisprüfungen besondere Herausforderungen birgt. Doch die Fahrlehrer in Vorpommern machen deutlich, dass neben den urbanen Verkehrsbedingungen auch sprachliche Barrieren und die veränderte Mediennutzung der jungen Generation zu den Problemen beitragen.

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