Ferdinandshof befreit sich nach 36 Jahren von DDR-Altschulden
Mit einer finanziellen Zuwendung in Höhe von knapp 1,5 Millionen Euro kann die Gemeinde Ferdinandshof in Mecklenburg-Vorpommern endlich, fast 36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, ihre Altschulden für vor der Wende errichtete Wohnungen tilgen. Staatskanzleichef Patrick Dahlemann (SPD) übergab jetzt zwei entsprechende Bescheide an Bürgermeister Gerd Hamm (CDU). Diese Maßnahme befreit die Gemeinde von einer langjährigen finanziellen Bürde und schafft Spielraum für dringend benötigte Investitionen.
Historische Schuldenlast aus DDR-Zeiten
Altschulden sind seit der Wende ein zentrales Problem für ostdeutsche Kommunen, wie Patrick Dahlemann erläuterte. „Mit dem Einigungsvertrag wurden diese staatlichen Schulden an die Städte und Gemeinden übergeben – eine Praxis, die in den alten Bundesländern nicht üblich war“, so der Staatskanzleichef. Das Land Mecklenburg-Vorpommern greife daher mit Genehmigung der Europäischen Kommission unterstützend ein, um diese historische Last zu beseitigen.
Bürgermeister Gerd Hamm bestätigte, dass insbesondere die Zinsbelastung durch die Schulden die kommunale Handlungsfähigkeit erheblich eingeschränkt habe. „Zu DDR-Zeiten wurden Wohnblöcke in Dörfern und Städten regelmäßig mit staatlichen Krediten finanziert, die 1990 an die Kommunen weitergegeben wurden“, erklärte Hamm. Durch die Tilgung erhalte die örtliche Wohnungsgesellschaft nun deutlich mehr finanziellen Spielraum für geplante Projekte.
Dringender Bedarf an barrierefreiem Wohnraum
Ein zentrales Problem in Ferdinandshof ist der Mangel an altersgerechtem Wohnraum. „Die Neubauten in den oberen Etagen werden nicht mehr angenommen, weil die notwendige Ausstattung mit Fahrstühlen oft an fehlendem Interesse von Eigentümergemeinschaften scheitert“, machte Hamm deutlich. Gleichzeitig altere die Bevölkerung zusehends, was dringenden Handlungsbedarf schaffe.
„Wir haben zahlreiche Seniorinnen und Senioren im Alter von 75, 80 oder 90 Jahren, die in der dritten oder vierten Etage wohnen und es nicht mehr schaffen, ihre Wohnung zu verlassen“, schilderte der Bürgermeister die prekäre Situation. Zwar existiere ein Pflegedienst, dennoch bestehe die ernste Gefahr der Vereinsamung betagter Bewohner.
Neue Wohnkonzepte für Zuzüge und Altbesitzer
Der Bedarf an modernen Wohnlösungen ist in Ferdinandshof und den umliegenden Orten deutlich spürbar. „Wir verzeichnen Zuzüge aus den Altbundesländern und Berlin, die große Grundstücke erwerben möchten, weil die bisherigen Eigentümer diese nicht mehr bewirtschaften können“, berichtete Hamm. Für beide Gruppen wolle die Gemeinde attraktive Angebote schaffen.
Dabei werden gezielt Fördermöglichkeiten für ökologisches und energieeffizientes Bauen geprüft, wobei insbesondere die Heizsituation im Fokus steht. „Die finanziellen Effekte, die sich aus der Tilgung der Altschulden ergeben, wollen wir genau für diese Zwecke einsetzen“, erläuterte der Bürgermeister die kommunale Strategie.
Vorbildliches Wohnviertel mit Mehrgenerationen-Charakter
Staatskanzleichef Patrick Dahlemann lobte die bisherige Zusammenarbeit und die weitsichtigen Entscheidungen der Gemeinde. „Wenn ich mir das Wohnviertel in Ferdinandshof anschaue, mit seinem ausgeprägten Mehrgenerationen-Gedanken, dem Schulcampus, dem Senioren- und Pflegeheim sowie dem Spielplatz – dieses ganze Viertel lebt und pulsiert“, zeigte sich Dahlemann beeindruckt.
Die gezielte Einsetzung von Fördermitteln habe sich als klug und nachhaltig erwiesen. Mit der nun erfolgten Schuldentilgung kann Ferdinandshof seine positiven Entwicklungen weiter vorantreiben und dringend benötigte Investitionen in die kommunale Infrastruktur und den Wohnungsbau tätigen.



