Feuerwehr Kuhs: Seit 150 Jahren ohne Toiletten und Waschbecken
Vor dem Feuerwehrgebäude in Kuhs bei Güstrow im Jahr 2026 steht man fassungslos: Ein veraltetes, winziges Gebäude und zwei Container bilden die gesamte Infrastruktur der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr. Das marode Gebäude bietet gerade einmal Platz für den Mannschaftswagen, während das brandneue Tragkraftspritzenfahrzeug (TSFW) in einer extern angemieteten Lagerhalle untergebracht werden muss.
Brandneues Fahrzeug parkt extern – Zeitverlust bei Einsätzen
„Wenn wir einen Einsatz haben, müssen wir das TSFW erst aus der Lagerhalle abholen“, erklärt Bürgermeister Ulf Kalisch, der gleichzeitig als Wehrführer fungiert. Dieser zusätzliche Zeitaufwand könnte im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden. Die Gemeinde verfügt zwar seit drei Jahren über eine Baugenehmigung für ein neues Feuerwehrgebäude, doch verschiedene Hindernisse verhinderten bisher den Baubeginn.
Förderbescheid bringt keine Freude – neue Regelungen verzögern Projekt
Anfang Februar übergab Innen- und Bauminister Christian Pegel einen Fördermittelbescheid über 178.500 Euro aus dem neuen 50-Millionen-Euro-Programm für Feuerwehrgerätehäuser. Doch Bürgermeister Kalisch konnte nicht wirklich jubeln: „Der Bescheid wurde uns schon vor einem Jahr und drei Monaten zugesagt. Eigentlich waren wir startklar – aber nach dem alten Programm.“
Die neuen Regelungen, die durch Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes gelten, kommen für Kuhs zur Unzeit. Das dringend benötigte multifunktionale Feuerwehrgebäude war bereits nach den alten Förderprogrammen komplett geplant und vorbereitet.
150 Jahre ohne Sanitäranlagen – ein skandalöser Zustand
„Die Feuerwehr Kuhs hat seit 40 Jahren – nein, eigentlich seit ihrem Bestehen, also seit 150 Jahren – keine Toiletten und Sanitärräume“, gesteht Wehrführer Kalisch. Dieser unhaltbare Zustand soll sich endlich ändern, doch die Sanitärräume können erst im zweiten Bauabschnitt realisiert werden.
Zweistufiger Bauplan mit bescheidenem Fortschritt
Das geplante Multifunktionsgebäude soll insgesamt 412.000 Euro kosten. Um überhaupt beginnen zu können, wurde das Projekt in zwei Bauabschnitte unterteilt:
- Im ersten Bauabschnitt entsteht eine Fahrzeughalle mit zwei Stellplätzen
- Ein Technikraum mit kleiner Werkstatt wird eingerichtet
- Endlich soll wenigstens eine Toilette zur Verfügung stehen
Die dringend benötigten Sanitärräume, Schulungsräume und ein Büro müssen auf den zweiten Bauabschnitt warten. Die kleine Gemeinde mit nur 320 Einwohnern stellt immerhin 15 aktive Feuerwehrleute, die nicht nur lokal, sondern auch in Nachbarorten im Einsatz sind.
Hoffnung auf Fertigstellung im Frühjahr 2027
Das neue Gebäude soll auf einer gemeindeeigenen Wiese direkt gegenüber dem aktuellen Standort entstehen. „Ich hoffe, in einem Jahr ist der erste Bauabschnitt fertig“, sagt Kalisch. Die Gemeinde plant, einen Teil der Arbeiten in Eigenleistung zu erbringen, um Kosten zu sparen und den Bau voranzutreiben. Wann der zweite Bauabschnitt mit den dringend benötigten Sanitäranlagen fertiggestellt sein wird, bleibt jedoch ungewiss.
Die Feuerwehr Kuhs steht symbolisch für viele ländliche Feuerwehren in Deutschland, die mit veralteter Infrastruktur und bürokratischen Hürden kämpfen, während sie lebenswichtige Dienste für ihre Gemeinden leisten.



