Hochwasser in Vorpommern: Feuerwehren und THW verteidigen Dörfer gegen Wassermassen
Seit Samstag kämpfen Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehren und dem Technischen Hilfswerk (THW) im mittleren Peene- und Tollensetal gegen massive Überflutungen. Die Wassermassen bedrohen Gebäude, Keller und mitunter komplette Ortschaften, sodass die Helfer teils über drei Tage lang im Dauereinsatz sind.
Ausufernde Krisenlage durch Regen und Schneeschmelze
Die ungewöhnliche Hochwassersituation begann am Samstagmittag mit immer mehr Notrufen und Alarmierungen in Vorpommern. Regenwetter und Schneeschmelze in Verbindung mit tiefgefrorenem Untergrund führten zu großflächigen Überflutungen, die sich aufgrund des flachen Geländeprofils zunehmend auf Straßen und Gehöfte ausdehnten. „Buchstäblich ausufernd“ beschreiben Experten die Lage, die bereits beim ersten Tauwetter 2026 rund eine Woche zuvor ähnliche Probleme verursachte.
Gefährdete Orte und Marathon-Einsätze der Feuerwehr
In vielen Kommunen sind einzelne Gebäude und Keller betroffen, doch mancherorts drohen ganze Häuserzeilen oder Siedlungsteile abzusaufen. Besonders kritisch sind der Passower Ortseingang aus Richtung Görmin, der Nordrand von Zemmin sowie die Dörfer Wilhelminenthal, Zemmin, Jagetzow und der Loitzer Ortsteil Nielitz. Gleichzeitig müssen mehrere Gefahrenpunkte in Kartlow, Düvier und Trantow bewältigt werden.
Über das Wochenende waren sämtliche Freiwilligen Feuerwehren der Amtsbereiche Peenetal/Loitz und Jarmen-Tutow im Pump- oder Sicherstellungseinsatz. Einige Brandbekämpfer absolvierten dabei mehr als 40-Stunden-Dienste und wurden an besonders kniffligen Stellen von Löschtrupps aus benachbarten Ämtern, Landkreisen und dem THW unterstützt.
THW zeigt gewaltige Präsenz mit bundesweiter Unterstützung
Das Technische Hilfswerk mobilisierte ein beeindruckendes Aufgebot, insbesondere im Loitzer Ortsteil Nielitz, wo vier Ortsgruppen – Demmin, Greifswald, Rostock und Wismar – gleichzeitig im Einsatz waren. In Jagetzow halfen Neubrandenburger Kollegen, in Wilhelminenthal die aus Prenzlau und in Leussin Pumpen aus Neustrelitz. Viel Pumpentechnik und dicke Wasserschläuche prägten das Bild der blauen THW-Fahrzeuge, die in der Region eine selten gesehene Präsenz zeigten.
Verschärfung der Lage durch anhaltenden Regen
Nach anfänglicher Hoffnung auf Entspannung setzte am Sonntag lang anhaltender und ergiebiger Regen ein, der die Situation deutlich verschärfte. Die Helfer mussten an viele Punkte zum zweiten oder dritten Mal ausrücken, was bei einigen ehrenamtlichen Kräften nach vielen Stunden Einsatz und Dauerfeuchtigkeit an physische Grenzen führte. „Ein unschönes Déjà-vu“, kommentierten betroffene Feuerwehrleute die erneute Herausforderung.
Unterstützung durch Landwirte und Privatpersonen
In dieser kritischen Phase freuten sich die Einsatzkräfte besonders über tatkräftige Unterstützung von Landwirten, Unternehmen und Privatpersonen. Diese Hilfe war entscheidend, um die Marathon-Einsätze durchzuhalten und Schlimmeres zu verhindern.
Folgen für Infrastruktur und Verkehr
Die Überflutungen betrafen nicht nur Wohngebäude, sondern auch kritische Infrastruktur wie Trafostationen, Stromverteiler und wichtige Verkehrswege. Die B110 an der Zarrenthiner Chaussee nahe Jarmen war bis in den Montagmorgen hinein stellenweise geflutet. Mehrere Kreisstraßen im Landkreis Vorpommern-Greifswald, darunter die VG98, VG101, VG8 und VG105, waren nur eingeschränkt befahrbar oder zeitweise voll gesperrt.
Lage am Montagabend noch nicht vollständig bereinigt
Am späten Montagnachmittag schien die Lage nur in Jagetzow und Nielitz noch nicht gänzlich bereinigt. Beide Einsatzleitungen äußerten gegenüber dem Nordkurier die Hoffnung, im Laufe der Nacht die Pumparbeiten einstellen zu können. Dennoch bleibt die Situation angespannt, da weitere Niederschläge nicht ausgeschlossen sind.
Die Bilder von pumpenden Löschgruppen, wie der Plötzer Löschgruppe bei Wilhelminenthal, bleiben vorerst ein häufiger Anblick in Vorpommern. Die Einsatzkräfte zeigen bemerkenswerten Einsatzwillen, um die Region vor den Wassermassen zu schützen.



