Schweriner Geschichtsforum an historischem Ort
Am 16. April findet in Schwerin ein bedeutendes Geschichtsforum statt, das sich mit der sowjetischen Repression in der frühen DDR befasst. Die Veranstaltung wird im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Schwerin abgehalten – ein Ort mit historischer Tragweite. Zwischen 1950 und 1955 wurden dort über 100 Zivilisten von einem sowjetischen Militärtribunal verurteilt und später in Moskau hingerichtet.
Forschungsergebnisse zur sowjetischen Besatzungsgewalt
Die Rostocker Historikerin Dr. Natalja Jeske und die ehemalige Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anne Drescher, präsentieren ihre aktuellen Forschungsergebnisse. Im Mittelpunkt stehen Gewalt, Verbote, Einschüchterung, Überwachung und strafrechtliche Verfolgung durch die sowjetische Besatzungsmacht in den Anfangsjahren der DDR.
Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms der Ausstellung „Das andere Russland. Memorial: Der Kampf um historische Wahrheit und Demokratie“, die noch bis zum 28. April im Schweriner Dokumentationszentrum zu sehen ist. Memorial, eine russische Organisation, die sich seit drei Jahrzehnten der Aufarbeitung sowjetischer Staatsverbrechen und der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen widmet, wurde in Russland 2022 per Gerichtsbeschluss aufgelöst.
Historischer Kontext und gesellschaftliche Bedeutung
Landesbeauftragter Burkhard Bley, der das Forum moderiert, betont die Bedeutung des Erinnerns: „Wie brutal die Sowjets und ihre Helfershelfer bis Mitte der 1950-er Jahre in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR vorgingen, dass Menschen verschwanden, weil sie von den ‚Freunden‛ verhaftet wurden, darüber durfte in der DDR nicht gesprochen werden.“
Bley fügt hinzu: „Dass wir dem Erinnern in unserer Gesellschaft Platz geben, damit unterstützen wir das Anliegen von Memorial, Widerstand zu leisten gegen die Verbrechen, gegen den Krieg, gegen die Lügen.“ Das Forum trägt den Titel „Vom sowjetischen Militärtribunal in Schwerin zum Tode verurteilt“ und beginnt um 18 Uhr am Demmlerplatz 1-2.
Organisation und Teilnahme
Die Veranstaltung wird gemeinsam organisiert von:
- der Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern
- der Landeszentrale für politische Bildung
- dem Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur
Der Eintritt ist frei, was eine breite öffentliche Teilnahme ermöglicht. Die Ausstellungsexponate, die an sowjetische Zwangsarbeitslager erinnern, ergänzen das Forum und schaffen einen umfassenden Einblick in diese dunkle Kapitel der deutsch-sowjetischen Geschichte.



