Frostschäden verwandeln A19 in Mecklenburg-Vorpommern zur Schleichstrecke
Der lange und harte Winter hat in Mecklenburg-Vorpommern zu massiven Schäden auf den Straßen geführt. Vor allem die Autobahnen sind von den Frost-Tau-Perioden stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Risse, Löcher und bröckelnder Beton prägen das Bild vieler Verkehrswege im Nordosten Deutschlands.
Autobahnen besonders betroffen
Ronald Normann, Chef der Niederlassung Nordost der bundeseigenen Autobahngesellschaft, erklärte, dass mit vielen Mängeln auf den Autobahnen zu rechnen sei. In den kommenden Wochen müssten zahlreiche Baustellen eingerichtet werden, um die Reparaturen durchzuführen. Das genaue Ausmaß der Schäden sei noch nicht abschätzbar, doch es müsse mit zahlreichen Asphalt- und Betonaufbrüchen sowie Schlaglöchern gerechnet werden.
Besonders problematisch sind die ohnehin schon durch Betonkrebs geschädigten Autobahnabschnitte. Bei dieser Alkali-Kiesel-Säure-Reaktion löst sich der Betonverbund, was die Straßen anfälliger für Frostschäden macht. Davon sind auch zahlreiche Streckenabschnitte in Brandenburg betroffen. Im vergangenen Jahr mussten bereits etwa zehn Kilometer der A24 an der Landesgrenze instand gesetzt werden.
A19: Geschwindigkeitsreduktion auf bis zu 60 km/h
Von den Frostschäden besonders betroffen ist die Autobahn 19 Richtung Küste, die ebenfalls unter Betonkrebs leidet. Auf einem etwa zehn Kilometer langen Abschnitt von der Landesgrenze zu Brandenburg bis Höhe Röbel sind die Schäden so gravierend, dass die Geschwindigkeit reduziert werden muss, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Normann kündigte an, dass die Geschwindigkeit voraussichtlich auf bis zu 60 Kilometer pro Stunde, auf anderen Abschnitten auf 80 oder 100 reduziert werden müsse. Bereits jetzt sei auf dem betroffenen Abschnitt zwischen Kilometer 15 und 25 die Geschwindigkeit stellenweise gedrosselt worden, bestätigte ein Sprecher. In den kommenden Wochen soll geprüft werden, welche Abschnitte unmittelbar repariert werden müssen und für welche die Planungen für eine grundlegende Sanierung gestartet werden sollten.
Ursachen der Schäden
Nach dem Ende der langen Frostperiode sind Bauhöfe und Straßen- sowie Autobahnmeistereien im Einsatz, um die Schäden zu beheben. Landesweit ist mit zehntausenden Schlaglöchern zu rechnen. Laut Allgemeinem Deutschen Automobilclub sind um den Gefrierpunkt schwankende Temperaturen problematischer als längere Frostphasen.
Regen- und Schmelzwasser dringt durch Risse in die Straße ein, dehnt sich bei Minusgraden aus und sprengt so den Asphalt auf. Es bilden sich Hohlräume, die durch Fahrzeuge eingedrückt werden und so Schlaglöcher entstehen lassen.
Weniger Schäden auf Bundes- und Landesstraßen
Auf Landes- und Bundesstraßen in Mecklenburg-Vorpommern rechnet die Straßenbauverwaltung mit überschaubaren Frostfolgen. René Firgt, Chef des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr in Rostock, sagte, es seien „nicht so viele Schäden“ wie auf den Autobahnen zu erwarten.
Zwar müsse auch auf Landes- und Bundesstraßen mit Schäden gerechnet werden, aber: „Das ist kein dominierendes Thema“, so Firgt. Die Straßenbauverwaltung habe in den vergangenen Jahren viel getan, um die für Frostschäden verantwortlichen Risse zu beheben. Seit 2016 habe sich die Situation „deutlich verbessert“. Zunächst seien etwa drei Millionen Euro für die Reparatur der Frostschäden eingeplant.
Bundesweite Milliardenschäden
Bundesweit wird es deutlich teurer: Der ADAC rechnet mit Milliardenschäden. Der strenge Winter hat den Straßen in Deutschland stärker geschadet als in den Vorjahren – insbesondere auch die kommunalen Straßen. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und größere Schäden an der Substanz zu verhindern, müsse auf kurzfristige Sanierungsmethoden wie Kaltasphalt zurückgegriffen werden.
Der ADAC geht davon aus, dass sich die Kosten für die Reparatur eines Schlaglochs auf bis zu 200 Euro belaufen. Um Schäden nachhaltig zu beheben und die Qualität der kommunalen Straßen langfristig garantieren zu können, bedarf es eines systematischen Erhaltungsmanagements.
Einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik aus dem Jahr 2023 zufolge weist rund ein Drittel der kommunalen Straßen bereits größere Schäden auf. Der Bedarf für die Sanierung und den Neubau kommunaler Straßen beträgt demnach rund 283 Milliarden Euro.



