Gadebusch debattiert über offizielle Ernennung zur Friedensstadt
Die drittälteste Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, Gadebusch, könnte künftig einen zusätzlichen Titel tragen: Friedensstadt. Diese Frage bewegt derzeit die kommunalpolitische Ebene der Münzstadt, nachdem Initiatoren regelmäßiger Mahnwachen einen entsprechenden Antrag gestellt haben.
Mahnwachen-Team fordert Friedensstadt-Status
Georg Bückle, Sprecher eines Mahnwachen-Teams, hat dem Gadebuscher Hauptausschuss konkrete Ziele vorgestellt. „Angesichts weltweiter Konflikte, zunehmender Aufrüstung und sinnloser Todesopfer wäre es an der Zeit, ein deutliches Zeichen für den Frieden zu setzen“, erklärte Bückle. Das Team setzt sich für ein friedliches Nebeneinander ohne Ausgrenzung und Spaltung ein und möchte diese Haltung in allen städtischen Gremien, Organisationen und Vereinen verankern.
Als konkrete Maßnahmen schlagen die Initiatoren vor:
- Pflanzung eines Friedensbaumes, einer Linde, deren Kosten sie übernehmen würden
- Einrichtung eines jährlichen Friedensfestes, das ebenfalls von ihnen organisiert werden soll
Politische Reaktionen und Diskussionen
Während sich die Fraktion Die Linke/SPD bereits für das Vorhaben positioniert hat, zeigen sich andere politische Gruppierungen zurückhaltender. Die Fraktion Zukunft für Gadebusch (ZfG) um den ehemaligen Bürgermeister Ulrich Howest will in den kommenden Tagen beraten. Howest äußerte Bedenken: „Dass wir alle Frieden wollen, steht außer Frage. Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt, dass Friedenssehnsucht und Friedensgebete allein noch nie einen Diktator beeindruckt haben.“
Auch innerhalb der Gadebuscher Bürgergemeinschaft zeichnen sich unterschiedliche Positionen ab. Die CDU-Fraktion plant ebenfalls Diskussionen zum Thema. Deren Vorsitzende Ingrid Schafranski verwies auf bereits existierende Friedenszeichen in Gadebusch: „Sowohl die Kirche als auch das Gymnasium setzen bereits Zeichen für den Frieden. Zudem ist die Gedenkstätte zur Schwedenschlacht von 1712 in Wakenstädt ein wichtiger Ort des Gedenkens und ein Denkmal für den Frieden.“
Weiterer Prozess und regionale Vorbilder
Ein konkreter Beschlussvorschlag soll in den kommenden Wochen erarbeitet und dann erneut in städtischen Gremien diskutiert werden. Unabhängig vom politischen Prozess werden die Mahnwachen-Initiatoren ihre Aktivitäten fortsetzen. Die nächste Mahnwache findet am Donnerstag, dem 26. Februar 2026, ab 10 Uhr vor dem Rathaus statt – wie alle 14 Tage.
Ein regionales Vorbild könnte die Gemeinde Lützow bieten, die erst vor wenigen Wochen eine 1,30 Meter hohe Steinsäule mit der Inschrift „Möge Frieden auf Erden sein“ an einer vielbefahrenen Kreuzung einweihte. Die Idee dazu entstand in der örtlichen Volkssolidaritäts-Gruppe um Vorsitzende Karin Tews, die bei der Einweihung erklärte: „Für mich geht ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Als Kriegskind weiß ich genau, was es bedeutet, einen Krieg miterleben zu müssen.“
Die Debatte um Gadebuschs möglichen Status als Friedensstadt zeigt, wie lokale Initiativen globale Friedensthemen aufgreifen und in kommunale Politik übersetzen wollen – ein Prozess, der in den kommenden Wochen weitere Diskussionen und möglicherweise konkrete Beschlüsse bringen wird.



