Geschäfte in Gadebusch schließen nach Jahrzehnten: Umzüge und Notlösungen geplant
Wo einst ein modernes Einkaufszentrum entstehen sollte, müssen nun Geschäfte in Gadebusch schließen. Die Kaufleute geben jedoch nicht auf und planen Umzüge oder setzen auf kreative Notlösungen, um weiterhin für ihre Kunden da zu sein.
Kündigung nach 30 Jahren: Mieter müssen weichen
Den Mietern auf dem Areal in der Johann-Stelling-Straße in Gadebusch wurde vonseiten des Eigentümers oder des vorläufigen Insolvenzverwalters der Mietvertrag gekündigt. Thorsten Schwartz, Geschäftsführer des Schuhgeschäfts Stinshoff, schildert: „Im Januar hatten wir noch einige Gespräche mit dem Vermieter, diese waren aber weniger erfolgreich, und daraufhin haben wir dann die Kündigung erhalten. Nach genau 30 Jahren müssen wir jetzt hier raus.“
Die Gebäude auf dem Areal stehen auf morastigem Untergrund, was zu erheblichen baulichen Mängeln führt. Im Schuhgeschäft klafft bereits ein Riss im Boden, und im Aufenthaltsraum fiel eine Deckenplatte herunter. Der Spalt zwischen Wänden und Decke wurde mit der Zeit immer größer, da das Fundament und die Bodenplatte absackten.
Umzug in neue Räumlichkeiten
Für Thorsten Schwartz und sein Team galt es, innerhalb von drei Monaten neue Räumlichkeiten zu finden. Mit einem hilfreichen Tipp vom Bauamt zieht das Schuhgeschäft nun in die Lübsche Straße 1, wo ehemals ein Fahrradladen untergebracht war. Die Eröffnung ist für den 7. April geplant, während der Verkauf in der Johann-Stelling-Straße noch bis zum 28. März läuft.
Notlösungen für andere Geschäfte
Der im selben Gebäude befindliche HandyStore sucht derweil noch nach neuen Räumlichkeiten. Vertriebsleiterin Katja Mau erklärt, dass man als Notlösung vor Ort erst einmal in einen Werbetruck ziehen wird, um weiterhin für die Kunden da zu sein.
Auch die Kik-Filiale sowie der Imbiss von Can Pulat, die beide im Gebäude des ehemaligen Markant-Marktes untergebracht sind, mussten schließen. Pulat, der seit 1997 an diesem Standort tätig ist, sagt: „Am Montag vergangener Woche habe ich die Information erhalten. An dem Tag habe ich sogar noch Ware bekommen und ich konnte die Spieße auch nicht irgendwo unterbringen oder zurückschicken.“ Deshalb führte er den Verkauf noch bis zum vergangenen Freitag fort, um einen Großteil der Ware loszuwerden.
Zukunft in Gadebusch
„Wir schauen jetzt mal, wie sich das in den nächsten ein, zwei Monaten entwickelt – aber wir werden in Gadebusch bleiben“, betont Can Pulat. Erste Gespräche bezüglich neuer Räumlichkeiten habe es bereits gegeben. Zunächst will er Döner und andere Speisen in einem Verkaufswagen vor dem Imbiss anbieten, wobei derzeit eine Abstimmung mit der Stadt zum Genehmigungsverfahren erfolgt.
Behördliche Stellungnahmen
Im Kündigungsschreiben ist von baulichen Mängeln und einer Gefährdung die Rede. Die untere Bauaufsichtsbehörde hat jedoch über den Fall keine Kenntnis. Ein Sprecher des Landkreises berichtet: „Der von Ihnen geschilderte Sachverhalt ist der unteren Bauaufsichtsbehörde nicht bekannt. Daher werden von hier auch keine Verfahren zu einer Nutzungsuntersagung geführt.“ Auch vonseiten des Amtes Gadebusch heißt es, dass es keine behördliche Auflage gab.
Große Pläne für das Areal
Für das Areal in der Johann-Stelling-Straße gab es ursprünglich große Pläne. Im ersten Bauabschnitt sollte ein Neubau zwischen der Filiale von Ernstings Family und dem ehemaligen Markant-Markt entstehen, mit der Volksbank Raiffeisenbank und dem Schuhgeschäft Stinshoff als Mietern. Im nächsten Schritt sollte das Gebäude des ehemaligen Markant-Marktes abgerissen werden, um Platz für einen modernen Neubau zu schaffen. Diese Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt, und die Mieter mussten nun unerwartet schließen.
Die Geschäftsleute in Gadebusch zeigen sich trotz der Herausforderungen optimistisch und setzen alles daran, ihre Kunden weiterhin zu bedienen, sei es durch Umzüge oder temporäre Lösungen.



