Greenpeace dokumentiert vorübergehende Störungen im russischen Öltransport
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat nach eigenen Angaben deutliche Auswirkungen ukrainischer Angriffe auf die russische Ölindustrie im Ostseeraum beobachtet. Laut einer Sprecherin der Organisation zeigte sich für mehrere Tage ein auffälliges Bild: Keine beladenen Tanker mehr aus östlicher Richtung und die wenigen unterwegs befindlichen Schiffe fuhren überwiegend leer. Diese Entwicklung führt Greenpeace direkt auf die jüngsten ukrainischen Drohnenangriffe zurück, die gezielt Infrastruktur der russischen Ölindustrie getroffen haben.
Ziele der Angriffe: Wichtige Häfen im Fokus
In den vergangenen Wochen hat die Ukraine mit Langstreckendrohnen wiederholt Anlagen der russischen Ölindustrie angegriffen und in Brand gesetzt. Besonders betroffen waren dabei der Hafen Primorsk im Gebiet Leningrad, der an St. Petersburg grenzt, sowie der bedeutende Öl- und Gashafen Ust-Luga an der Ostsee bei St. Petersburg. Diese Häfen spielen eine zentrale Rolle für den russischen Ölexport, der seit der umfassenden Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 eine wichtige Einnahmequelle für Russland darstellt.
Vorübergehende Effekte und unklare Perspektiven
Greenpeace geht davon aus, dass der Tankerverkehr in der Ostsee in den kommenden Tagen wieder anlaufen wird, da die Häfen ihren Betrieb teils nur kurzzeitig eingestellt hatten. Allerdings betont die Organisation, dass die genaue Frequenz der Tankerbewegungen schwer einzuschätzen sei. Unklar bleibt, welche Ladekapazitäten nach den Angriffen noch verfügbar sind. Auffällig ist laut Greenpeace, dass aktuell mehr Tanker vor Anker liegen als zuvor – eine Entwicklung, die angesichts der Sicherheitslage nicht überraschend wirkt.
Bundespolizei äußert sich zurückhaltend
Die für die Ostsee zuständige Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt hat die Angaben von Greenpeace nicht bestätigt. Ein Sprecher erklärte, dass keine entsprechenden Erkenntnisse vorliegen. Diese Zurückhaltung steht im Kontrast zu den detaillierten Beobachtungen der Umweltschutzorganisation.
Hintergrund: Die umstrittene Schattenflotte
Greenpeace warnt seit längerem vor den Umweltrisiken, die von der sogenannten russischen Schattenflotte ausgehen. Bei dieser Flotte handelt es sich um alte und oft unterversicherte Tanker, mit denen Moskau versucht, den von westlichen Unterstützern der Ukraine eingeführten Preisdeckel für russisches Öl zu umgehen. Die aktuelle Situation unterstreicht die Fragilität dieses Systems und zeigt, wie anfällig der russische Ölexport für externe Störungen ist.



