Debatte um Rathaus-Kunst: Güstrow diskutiert Wechsel der Ausstellung
Im Güstrower Rathaus könnte sich die Kunstpräsentation grundlegend verändern. Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind dort Werke des international renommierten Grafik-Designers Gunter Rambow zu sehen, doch nun wird über eine Neuausrichtung der Ausstellungsflächen diskutiert.
Bürgermeister greift Vorschlag der Galeriemeile auf
Bürgermeister Sascha Zimmermann hat einen Vorschlag der Güstrower Galeriemeile aufgegriffen, der die Präsentation regionaler Motive im Rathaus vorsieht. Die seit etwa 20 Jahren ausgestellten Plakatmotive Rambows illustrieren zwar Aufführungen an bundesdeutschen Theatern und Opernhäusern, besitzen jedoch keinen spezifischen lokalen Bezug zur Barlachstadt.
„Es handelte sich ursprünglich um eine Schenkung wirkungsvoller Werke, die eigentlich nur für etwa fünf Monate gezeigt werden sollten“, erklärte Zimmermann. „Inzwischen haben wir uns alle daran gewöhnt.“ Dies gelte es, bei aller Bewunderung für die Arbeit des Plakatkünstlers, kritisch zu hinterfragen. Besonders im Hinblick auf die bevorstehende 800-Jahrfeier Güstrows könne er sich vorstellen, stadthistorische Motive mit lokalem Bezug zu präsentieren.
Politische Reaktionen und konzeptionelle Überlegungen
In der Güstrower Kommunalpolitik stößt die Idee grundsätzlich auf Interesse. Hans-Georg Kleinschmidt, Vorsitzender des Kulturausschusses, bezeichnete das angestoßene Thema als „sehr interessant“, betonte jedoch, dass über die konkrete künftige Ausrichtung noch breiter diskutiert werden müsse.
Stadtvertreter Uwe Heinze von der SPD begrüßt zwar grundsätzlich Bewegung bei der Präsentation, plädiert aber für ein klar definiertes Konzept. „Dann wäre es auch gut genau zu planen, wie lange etwas gezeigt wird, ob es sich um Originale handeln soll, ob es eine neue Dauerausstellung gibt oder turnusmäßig gewechselt wird und wie die Versicherungen geregelt sind“, so Heinze.
Gleichzeitig betont er seine Wertschätzung für Rambows Arbeiten, die auch im Stedelijk Museum Amsterdam zu sehen sind. Für Ausstellungen auf diesem Niveau gebe es in Güstrow eigentlich Institutionen wie die Ernst-Barlach-Stiftung.
Bürgerstimmen und alternative Vorschläge
Andere Güstrower sehen die Angelegenheit weniger streng. Michael Kische, ein Einwohner der Stadt, würde sich vor allem über Abwechslung freuen. „Ich würde mich schon freuen, etwas Neues im Rathaus zu sehen, wenn ich mal ins Bürgerbüro muss“, sagte er. Sein Vorschlag: „Man könnte doch auch anderen, jungen Künstlern aus der Region einmal eine Chance bieten, hier ihre Werke zu präsentieren.“
Die politischen Plakate Rambows im Bereich des Bürgermeister-Sprechzimmers könnten nach aktuellen Überlegungen jedoch hängen bleiben. Zimmermann betonte, dass er einen möglichen Wechsel nicht vornehmen wolle, ohne zuvor das Gespräch mit Rambow und dessen Frau zu suchen.
Die Diskussion zeigt, wie sich die Frage nach der Repräsentation von Kunst im öffentlichen Raum mit Überlegungen zur regionalen Identität und zur Förderung lokaler Künstler verbindet. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich zeigen, welchen Weg Güstrow bei der Gestaltung seiner Rathaus-Ausstellungen einschlagen wird.



