Neubrandenburg: Eine Heldin des Alltags beginnt um 4 Uhr morgens mit der Arbeit
Es sind oft die unscheinbaren Alltagssituationen, die uns tief berühren und zum Nachdenken anregen. So erging es mir kürzlich in meinem Büro in Neubrandenburg, als ich auf eine Frau traf, deren Arbeitsalltag mich zutiefst beeindruckte.
Ein früher Start in den Tag
Als Journalist bin ich es gewohnt, früh im Büro zu sein, meist kurz vor oder nach 8 Uhr. Doch eine Person ist immer schon vor mir da: unsere Reinigungskraft. An einem Freitagmorgen traf ich sie in der Redaktionsküche an, wo sie sonst zu dieser Zeit die Toiletten putzt. Auf meine Frage, ob wir beide wieder die Ersten seien, antwortete sie trocken: „Ja, seit 4 Uhr.“ Dieser frühe Beginn ließ mich staunen.
Es stellte sich heraus, dass sie von 4 bis 8 Uhr in unserem Medienhaus arbeitet, von 8 bis 12 Uhr in einer Druckerei auf dem Neubrandenburger Datzeberg und abends zwischen 17 und 19 Uhr in anderen Räumlichkeiten. Ihr Chef habe dies als Übergangslösung angeordnet, nachdem jemand gekündigt hatte. Diese Arbeitszeiten sind nicht nur lang, sondern auch körperlich fordernd.
Die wahren Helden sind kaum sichtbar
Ich nannte sie eine Heldin des Alltags, und das meine ich aufrichtig. Die Frau, die nicht mehr in ihren ersten Berufsjahren ist, bewältigt einen Tagesrhythmus, der für viele unvorstellbar anstrengend erscheint. Auf meine Fragen nach Schlaf und Pausen erklärte sie, dass sie früh zu Bett geht und den Arbeitskräftemangel als Herausforderung sieht.
Dieser Mangel ist ein wiederkehrendes Thema in Branchen wie Reinigung, Handwerk und Gastronomie. Viele Menschen in Deutschland wollen körperliche Arbeit nicht mehr verrichten, nicht nur wegen der Bezahlung, sondern auch aufgrund von Monotonie und Beschwerlichkeit. Ein junger Maler aus meiner Berliner Zeit hörte ständig Podcasts, um die Eintönigkeit zu überbrücken.
Überlegungen zu einem Berufswechsel
Beeindruckend finde ich die Geschichte eines Freundes, der kürzlich von Leipzig nach Neustrelitz zurückgekehrt ist. Als über 40-jähriger Familienvater erwägt er einen Wechsel vom Vertrieb ins Handwerk. Solche Überlegungen zeigen, dass trotz der Härten dieser Berufe noch Menschen bereit sind, sie auszuüben.
Für Fortgezogene und Rückkehrer bietet der Heimweh-Newsletter des Nordkuriers Einblicke in positive Geschichten aus der Region. Er erscheint jeden Donnerstag und feiert inspirierende Menschen und Erfolge.
Ein herzlicher Abschied
Am Ende unseres Gesprächs wünschten wir uns gegenseitig ein schönes Wochenende – diesmal keine Floskel, sondern ein aufrichtiger Wunsch. Bei dieser Frau erscheint mein eigener voller Alltag plötzlich klein. Ihre Hingabe und Ausdauer sind ein starkes Symbol für die unsichtbaren Helden, die unsere Gesellschaft am Laufen halten.



