Frust an der Zapfsäule: Tankstellenpächter in Vorpommern können nichts an hohen Preisen ändern
Die Preise für Benzin und Diesel erreichen in Vorpommern neue Höchststände. An einer Tankstelle in Altentreptow lag der Liter Diesel am Mittwoch knapp unter der Zwei-Euro-Marke, während Super-Benzin bereits über dieser symbolischen Grenze notierte. Dirk Hackbarth, der drei Tankstellen in Altentreptow, Anklam und Pasewalk betreibt, hat volles Verständnis für die verärgerten Kunden, muss aber gleichzeitig um Nachsicht bitten.
Mineralölfirmen bestimmen die Preise
„Auf diese Preise haben wir keinen Einfluss, die werden von den Mineralölfirmen bestimmt“, betont Hackbarth mit Blick auf die aktuellen Kraftstoffkosten. Seit dem Krieg im Nahen Osten steigen die Preise deutschlandweit an fast allen Tankstellen kontinuierlich an. Vielerorts wurde bereits die Zwei-Euro-Marke überschritten, was insbesondere Pendler hart trifft.
Der Tankstellenpächter weiß, dass viele Kunden derzeit über die hohen Kosten schimpfen. Zwar existiert eine Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt, die Verbrauchern den Vergleich aktueller Tankstellenpreise in Deutschland ermöglicht. Doch praktisch nützt dies wenig, da kaum jemand lange Strecken fährt, nur um günstiger zu tanken.
Preisunterschied zu Polen wird wieder größer
Gerade in Vorpommern spürt Hackbarth die Konkurrenz aus dem benachbarten Polen. „Im vergangenen Jahr waren deren Preise etwa gleich hoch wie in Deutschland“, schildert er. „Anfang des Jahres wurden Kraftstoffe in Polen wieder etwas billiger, vor allem Diesel. Und mit Ausbruch des Krieges in Nahost gibt es nun erhebliche Unterschiede in den Preisen.“
Allerdings lässt sich der wachsende Preisunterschied nicht allein mit globalen Konflikten erklären. Ein weiterer wesentlicher Grund ist die Erhöhung der CO2-Steuer zu Jahresbeginn. ADAC-Sprecher Andreas Hölzel bestätigt: „Die Erhöhung der CO2-Abgabe zu Jahresbeginn hat die Kraftstoffpreise in Deutschland um rund drei Cent steigen lassen. Insgesamt macht die CO2-Abgabe damit bei Benzin rund 17 Cent je Liter und bei Diesel knapp 19 Cent aus.“
Hohe Preise belasten Kunden und Mitarbeiter
Für die Tankstellenmitarbeiter ist diese Situation alles andere als einfach. Die hohen Kraftstoffpreise erschweren vielen Kunden das Leben erheblich. „Gerade Pendler leiden unter den hohen Preisen“, weiß Dirk Hackbarth aus täglichen Gesprächen. „Manche Kunden kommen rein, schimpfen über die hohen Preise. Zum Glück wissen die meisten aber auch, dass wir nichts dafür können.“
Doch die Preissteigerungen betreffen längst nicht nur Benzin und Diesel. „Alles wird teurer und die unsichere Lage in der Welt sorgt nicht dafür, dass es besser wird“, so der Tankstellenpächter. „Auch in unserem Shop merkt man das. Allein deshalb, weil Lieferanten ihre Preise erhöhen.“ Besonders Menschen mit geringem Einkommen geraten dadurch in finanzielle Schwierigkeiten, womit Hackbarth mitfühlt.
Preisanstieg auch in Neubrandenburg spürbar
Auch in Neubrandenburg sind die Preise für Diesel und Benzin zuletzt deutlich gestiegen. Thomas Müller, Leiter einer SB-Tankstelle in Neubrandenburg, antwortet auf Anfrage des Nordkuriers zurückhaltend: „Wir beobachten nur die aktuellen Themen und Situationen.“ Mehr könne er zu der brisanten Thematik nicht sagen, was die allgemeine Verunsicherung unterstreicht.
Die Situation an den Tankstellen in Vorpommern bleibt somit angespannt. Während die Kunden mit steigenden Kosten kämpfen, stehen die Tankstellenpächter zwischen den Fronten – machtlos gegenüber den Vorgaben der Mineralölkonzerne und den globalen Marktmechanismen, die die Preise in die Höhe treiben.



