Hubschraubereinsatz gegen gesundheitsgefährdende Raupen in Mecklenburg-Vorpommern
Im Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns soll der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr erneut aus der Luft bekämpft werden. Nach einem überraschend starken Befall im vergangenen Jahr hat der Landkreis Ludwigslust-Parchim die Planungen für einen Hubschraubereinsatz weit vorangetrieben. Die Maßnahme wird in den kommenden Wochen finalisiert und soll Mitte bis Ende Mai, abhängig von der Wetterlage, durchgeführt werden.
Biologischer Wirkstoff gegen allergieauslösende Raupen
Für den Einsatz kommt das biologische Biozid Foray ES zum Einsatz, das spezifisch auf Schmetterlingsraupen wirkt. Der Landkreis betont, dass der Wirkstoff für Menschen und andere Wirbeltiere ungiftig ist und Bienen sowie andere Insekten nicht beeinträchtigt. Die Raupen nehmen den Wirkstoff mit der Nahrung auf und sterben innerhalb weniger Stunden bis Tage. Die Ausbringung erfolgt, bevor sich die gefährlichen Brennhaare der Raupen ausbilden, was eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg der Maßnahme darstellt.
Die mikroskopisch kleinen Brennhaare der Eichenprozessionsspinner können beim Menschen stark juckende allergische Hautreaktionen, Augenentzündungen und Probleme der oberen Atemwege verursachen. Ein Kontakt ist nicht nur durch direkte Berührung, sondern auch durch Verwehungen der Haare möglich, was die Gefahr dieser Schädlinge unterstreicht.
Überraschende Ausbreitung im Vorjahr
Im Sommer 2025 hatte eine unerwartet starke Ausbreitung der Raupen die Behörden überrascht. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim verzeichnete ein Befallsniveau, das zuvor in Mecklenburg-Vorpommern noch nie dokumentiert worden war. Zu diesem Zeitpunkt war eine Bekämpfung aus der Luft bereits nicht mehr möglich, da die Raupen verpuppt waren und den Wirkstoff nicht mehr aufgenommen hätten.
Stattdessen mussten Experten in Schutzanzügen aufwendig Nester entfernen, was aufgrund des hohen Aufwands nur an vergleichsweise wenigen Bäumen durchführbar war. Diese manuelle Entfernung erwies sich als besonders kostspielig und ineffizient im Vergleich zur luftgestützten Bekämpfung.
Lokal begrenzte Einsätze mit Straßensperrungen
Die betroffenen Straßenabschnitte befinden sich ausschließlich im Landkreis Ludwigslust-Parchim und sind lokal begrenzt über den gesamten Kreis verteilt. Die Auswahl der zu behandelnden Abschnitte basiert auf Überwachungsdaten vom vergangenen Jahr, die durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) sowie Straßenmeistereien und Gemeinden ergänzt wurden.
Jährlich werden an etwa 150 Straßenabschnitten die Nester in jeweils 20 Eichen erfasst. Bei der Planung wird auch berücksichtigt, inwieweit Bürgerinnen und Bürger betroffen sind. Während des Hubschraubereinsatzes müssen die behandelten Straßenabschnitte kurzfristig gesperrt werden, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Rätselhafte Populationsentwicklung
Die Faktoren, die die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners steuern, geben den Experten weiterhin Rätsel auf. Trotz umfangreicher Forschungsprojekte zur Biologie des Schädlings sind die zugrundeliegenden Mechanismen nicht vollständig verstanden. Selbst frostige Winter bringen keine zuverlässige Entspannung, wie vergangene Erfahrungen gezeigt haben.
Kai Gloyna, Experte des Lagus, verwies auf Daten aus Brandenburg, die einen hohen Leidensdruck in Befallsgebieten belegen. Betroffene können in stark befallenen Gebieten nachts keine Fenster öffnen oder Wäsche im Freien trocknen, was die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.
Der letzte Hubschraubereinsatz gegen den Eichenprozessionsspinner in der Region fand im Jahr 2023 statt. Die aktuelle Planung zeigt, dass die Behörden die Bedrohung durch diese gesundheitsgefährdenden Schädlinge ernst nehmen und proaktiv handeln, um die Bevölkerung zu schützen.



