Insolvenzverfahren bei Hotelentwickler zieht sich - MV-Projekte betroffen
Insolvenzverfahren bei Hotelentwickler zieht sich lange hin

Insolvenzverfahren bei Hotelentwickler zieht sich über Jahre hin

Das Insolvenzverfahren des österreichischen Hotelentwicklers Udo Chistee wird nach Einschätzung des zuständigen Insolvenzverwalters noch sehr, sehr lange Zeit in Anspruch nehmen. Dr. Hubert Köllensperger, Rechtsanwalt mit Sitz in Wels in Oberösterreich, teilte auf Anfrage mit, dass das Verfahren normal weiterlaufe und keineswegs beendet sei. Erst wenn sämtliches Vermögen von Udo Chistee verwertet worden ist, könne von einem Abschluss gesprochen werden.

Komplexes Firmengeflecht mit hohen Verbindlichkeiten

Das Amtsgericht Wels hat Mitte Februar bekannt gegeben, dass sowohl das Privatunternehmen von Udo Chistee als auch die AHC International Consulting AG fortgeführt werden. Udo Chistee ist bislang einziger Anteilseigner dieser Aktiengesellschaft. Die Insolvenz des bekannten Hotelentwicklers aus Österreich hatte bereits im November 2025 hohe Wellen geschlagen und wirkt sich bis nach Mecklenburg-Vorpommern aus, wo mehrere ambitionierte Hotelprojekte betroffen sind.

Laut Berichten des österreichischen "Kurier" hat Udo Chistee Haftungen in Höhe von insgesamt 110 Millionen Euro übernommen. Davon haftet er mit 10 Millionen Euro für ein Projekt in Wendorf und mit weiteren 100 Millionen Euro gegenüber Anleihegläubigern und Banken seiner AHC International Consulting AG.

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Fortführung der Unternehmen trotz Insolvenz

Dr. Hubert Köllensperger erklärte die Unternehmensfortführung damit, dass Udo Chistee nicht nur Eigentümer verschiedener Immobilien ist, sondern auch verschiedene Gesellschaften besitzt, in denen er als Geschäftsführer tätig ist. Diese Gesellschaften verfügten zum Teil über Liegenschaftsbesitz. "Diese Immobilien sind allesamt vermietet und deshalb ist Herr Chistee Unternehmer. Deshalb wird das Unternehmen fortgeführt", teilte der Insolvenzverwalter mit.

Ähnlich verhält es sich bei der ebenfalls insolventen Aktiengesellschaft AHC International Consulting. Die Fortführung der Holdingtätigkeit der AHC erfolge im Rahmen der "noch lange nicht endenden" Insolvenz, wie die Kanzlei Eigner | Reuer auf Anfrage mitteilte. Udo Chistee hatte die AG bereits 1983 gegründet. Das Unternehmen entwickelte unter anderem die neue Hotelmarke Amedia.

Betroffene Hotelprojekte in Mecklenburg-Vorpommern

Unter dem Namen Amedia sollte eigentlich ein großes Hotel mit über 100 Zimmern am Greifswalder Hafen bereits 2024 eröffnen - pünktlich zum Caspar-David-Friedrich-Jahr in der Hansestadt. Bislang ist dort jedoch nur die Bodenplatte fertiggestellt worden. Mit der Insolvenz in Eigenregie der Grundstücksgesellschaft Hansering A9 mbH, die Mitte Januar vor dem Amtsgericht Schwerin beantragt worden ist, sind diese Pläne wohl vollends Geschichte.

Das Greifswalder Rathaus bedauert die Insolvenz, zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass andere Investoren einspringen könnten. Bereits jetzt würden Gespräche mit potenziellen neuen Investoren geführt.

Schweriner Hotelprojekt und Fördermittel

Nach Angaben der Insolvenzbeauftragten der AHC International Consulting ist die Grundstücksgesellschaft Hansering A9 mbH mit Sitz in Kuhlen-Wendorf auch Eigentümer der Liegenschaft der ehemaligen Staatsbank in der Schweriner Friedrichstraße. Der österreichische Investor wollte dieses Gebäude zum Vier-Sterne-Superior-Hotel "Le Tresor" ausbauen, wovon sich Stadt und Händler die lange angekündigte Aufwertung der Friedrichstraße versprachen.

Bauherr war die ebenfalls insolvente SHC Hotelbesitz GmbH, die von Bund, Land und Stadt Fördermittel für das Projekt erhalten hat. Knapp zwei Millionen Euro kamen zur Auszahlung und sollen teils auch antragsgemäß verbaut worden sein. Für die Errichtung einer Betriebsstätte für das Greifswalder Hotel hatte die öffentliche Hand 2,7 Millionen Euro Fördermittel bewilligt, die jedoch nicht zur Auszahlung kamen.

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Auswirkungen auf öffentliche Gelder

Für die bereits ausgezahlten Fördermittel des Landes für "Le Tresor" in Schwerin hat das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern die Forderungen zur Insolvenztabelle angemeldet. Bis Gläubiger jedoch Post oder wenigstens etwas Geld sehen, kann, wie Insolvenzverwalter Dr. Köllensperger betonte, "sehr, sehr lange" dauern. Die komplexe Vermögensstruktur und die zahlreichen beteiligten Gesellschaften machen eine schnelle Abwicklung des Verfahrens unmöglich.

Die betroffenen Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern müssen sich nun auf einen langwierigen Prozess einstellen, während die geplanten Hotelprojekte vorerst auf Eis liegen. Die Hoffnung auf eine baldige Belebung der betroffenen Standorte ruht nun auf potenziellen neuen Investoren, die die begonnenen Vorhaben möglicherweise fortführen könnten.