Kettensägen-Kunst für guten Zweck: Dorfleben-Skulpturen finanzieren mobilen Brotbackofen
Kettensägen-Kunst: Skulpturen finanzieren Brotbackofen

Kettensägen heulen für den guten Zweck: Dorfleben wird zur Kunst

In Rittermannshagen war am vergangenen Sonnabend nichts mehr mit beschaulicher Ruhe. Stattdessen hallten die charakteristischen Laute von Motorsägen durch die Luft, während feine Holzspäne durch die Gegend flogen. Doch was nach gewöhnlicher Forstarbeit klang, entpuppte sich als außergewöhnliche Kunstaktion. Vier talentierte Kettensägen-Künstler verwandelten massive Eichenstämme vor den Augen zahlreicher Zuschauer in detailreiche Skulpturen zum Thema „Dorfleben“. Die entstandenen Figuren – darunter ein Bauer, ein Hochland-Rind und ein Schwein mit Gummistiefeln – wurden anschließend versteigert, um einen besonderen Gemeinschaftswunsch zu erfüllen.

Vom Künstlertreffen zur Wohltätigkeitsaktion

Ursprünglich hatte Mirko Rümker aus Seedorf lediglich ein Treffen von Kettensägen-Künstlern im Sinn. „Solche Veranstaltungen gibt es im Norden Deutschlands kaum“, erklärt der 50-Jährige, der sich selbst „Meckschnitzer“ nennt. Im Gegensatz zu südlichen Regionen, wo diese spezielle Form der Bildhauerei regelmäßig praktiziert wird, sind derartige Zusammenkünfte in Mecklenburg-Vorpommern eine Seltenheit. Doch aus der einfachen Idee entwickelte sich schnell mehr: eine Kunstaktion mit sozialem Engagement.

Rümker arbeitete bereits mehrfach mit Jens Jarchow zusammen, der die Fläche neben der Kirche in Rittermannshagen zu einer „Kulturwiese“ umgestaltet hat und enge Verbindungen zur örtlichen Kirchengemeinde pflegt. Bei der Veranstaltung „Kunst:Offen“ hatte Jarchow bereits erfolgreich ein Relief der Basedower Kirche versteigert, dessen Erlös der Sanierung des Glockenstuhls zugutekam. Diesmal sollte die Gemeinschaft erneut von der kreativen Arbeit profitieren.

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Vier Künstler, vier einzigartige Perspektiven auf das Dorfleben

Die teilnehmenden Künstler brachten unterschiedlichste Erfahrungen und Stile mit:

  • Mirko Rümker verwandelte seinen Holzklotz in einen charaktervollen Bauern. Vor fünf Jahren entdeckte er die Kettensägen-Kunst durch einen Feuerwehrkurs und ist seitdem professionell tätig.
  • Sabrina Bartz aus Anklam, die unter dem Namen „Eichenschmiede“ arbeitet, schuf ein amüsantes Schwein mit Gummistiefeln. Ein Fernsehbericht weckte vor Jahren ihr Interesse an dieser ungewöhnlichen Kunstform.
  • Sven Eggers aus Grevesmühlen wagte sich an den Kopf eines Hochland-Rindes. Sein erstes Werk entstand 2008 eher zufällig beim Brennholzmachen – eine Eule, die tatsächlich erkennbar war.
  • Tony Noack reiste extra aus Zittau in Sachsen an und schnitzte unter seinem Künstlernamen „Stämmchen“ einen müden Gockelhahn, der „die Schnauze voll hat vom Aufstehen“.

Die Künstler ließen sich bereitwillig über die Schulter schauen und erklärten den interessierten Besuchern ihre Techniken. „Wir wollen den Leuten zeigen, was alles möglich ist“, betonte Rümker. „Unser Schaffen ist mehr als nur Lärm.“

Gemeinschaftsprojekt mit nachhaltigem Ziel

Die organisatorischen Voraussetzungen für die Aktion schufen verschiedene lokale Akteure:

  1. Die Kirchengemeinde Gielow-Rittermannshagen stellte das Holz aus dem eigenen Kirchenwald zur Verfügung.
  2. Jens Jarchow öffnete seine „Kulturwiese“ als Veranstaltungsort.
  3. Die Gemeinde Faulenrost unterstützte bei den praktischen Vorbereitungen.

Ergänzt wurde die Kettensägen-Kunst durch die Arbeiten zweier Zeichner: Leopold Lawrenz aus Rostock übertrug jedes Motiv der Skulpturen auf Papier, während Veduten-Zeichner Kjeld Heinze aus Klink ebenfalls Beiträge lieferte. Fünf der entstandenen Bilder kamen zusammen mit den Holzskulpturen unter den Hammer.

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Mobiler Brotbackofen als symbolträchtiges Ziel

Der gesamte Erlös der Versteigerung fließt in ein konkretes Projekt: Die Kirchengemeinde Gielow-Rittermannshagen möchte sich einen mobilen Brotbackofen anschaffen. Dieses Vorhaben symbolisiert nicht nur praktische Gemeinschaftsnutzung, sondern steht auch für die Bewahrung traditioneller dörflicher Kultur. Backen im gemeinschaftlichen Ofen war über Jahrhunderte ein zentraler sozialer Treffpunkt in Dörfern – genau jenes „Dorfleben“, das die Künstler in ihren Werken thematisierten.

Die Aktion in Rittermannshagen zeigt, wie zeitgenössische Kunstformen mit traditionellen Gemeinschaftswerten verbunden werden können. Aus anfänglichem Motorsägen-Lärm entstanden nicht nur kunstvolle Skulpturen, sondern auch ein spürbarer Gemeinschaftsgeist und konkrete Unterstützung für ein Projekt, das das dörfliche Zusammenleben bereichern wird.