Kita-Diskussion in Neubrandenburg: Viel Reden, wenig Konkretes
Im Albert-Einstein-Gymnasium in Neubrandenburg trafen sich Elternvertreter, Kitaleitungen, Träger und Erzieher mit Politikern zu einer intensiven Diskussion über die Zukunft der Kindertagesbetreuung in Mecklenburg-Vorpommern. Der Abend offenbarte eine tiefe Kluft zwischen den dringenden Forderungen der Praxis und den vagen Antworten der Landespolitik.
Beitragsfreiheit als einziger Konsens
Auf die zentrale Frage, ob die Kita-Beitragsfreiheit im Bundesland erhalten bleibt, antworteten alle drei anwesenden Parteienvertreter mit einem klaren Ja. Nadine Julitz von der SPD, Enrico Schult von der AfD und Lars Büttner von der Linken stimmten hier überein. Doch dieser Konsens war schnell erreicht – die wirklich brennenden Probleme der Kitas blieben ungelöst.
Betreuungsschlüssel als Dauerproblem
Der unzureichende Betreuungsschlüssel dominierte die dreistündige Diskussion. In Mecklenburg-Vorpommern betreut derzeit eine Fachkraft sechs Kinder unter drei Jahren, vierzehn ältere Kitakinder oder zweiundzwanzig Hortkinder. Alle Beteiligten bezeichneten diese Verhältnisse als völlig ungenügend.
Enrico Schult verwies auf die gescheiterte Volksinitiative für bessere Betreuungsverhältnisse, die an fehlender Gegenfinanzierung scheiterte. Lars Büttner ergänzte, dass auch die Finanzierungsvorschläge seiner Fraktion abgelehnt wurden. Aus dem Publikum kam die berechtigte Frage, warum die regierungstragenden Fraktionen nicht handeln, wo doch sinkende Kinderzahlen eigentlich mehr Personalressourcen freisetzen sollten.
Wahlkampfrhetorik statt konkreter Zeitpläne
Nadine Julitz von der SPD sah in der demografischen Entwicklung eine Chance: „Sinkende Kinderzahlen könnten den Schlüssel schrittweise verbessern, ohne dass sofort neue Stellen geschaffen werden müssten.“ Auf die Frage nach konkreten Zeitplänen für Verbesserungen blieb sie jedoch eine Antwort schuldig.
Enrico Schult nutzte das Podium offensichtlich als Wahlkampfauftakt und kritisierte scharf: „Die kostenfreie Kita wurde 2020 kurz vor der Wahl eingeführt. Als einziges Bundesland hat Mecklenburg-Vorpommern das gesamte Geld in die Beitragsfreiheit gesteckt, anstatt in die Qualität der Betreuung.“
Mehr Bürokratie statt pädagogischer Qualität
Ein weiterer Konfliktpunkt war die geplante Novellierung des Kita-Fördergesetzes. Künftig sollen Einrichtungen täglich dokumentieren, wann Kinder gebracht und abgeholt werden. Die Begründung: Kommunen vermuten, dass viele Ganztagsplätze nur halbtags genutzt werden – auf Kosten der öffentlichen Hand.
Gegen diese zusätzliche Bürokratie formierte sich im Saal deutlicher Widerstand. Eine Vertreterin des DRK Neubrandenburg erklärte: „Pädagogische Qualität fordern und mehr Bürokratismus einfordern – das ist der vollkommen falsche Weg.“ Eine Trägervertreterin ergänzte, dass die Verwaltungskosten durch solche Kontrollen die möglichen Einsparungen bei Weitem übersteigen dürften.
Geduld der Fachkräfte ist erschöpft
Nur etwa zwanzig Zuschauer waren der Einladung des Kita-Kreiselternrats Mecklenburgische Seenplatte und des Kreiselternrats Schule gefolgt. Doch die geringe Zahl täuschte nicht über die Intensität der Debatte hinweg. Fachkräfte, Träger und Eltern haben die Geduld verloren, auf Absichtserklärungen zu warten.
Organisator Robert Priebe fasste die Stimmung zusammen: „Die Politik hat nicht verstanden, dass Bildung in den Kindertageseinrichtungen beginnt und genau dort jetzt gehandelt werden muss.“ CDU, BSW, FDP und die Basis waren der Veranstaltung ferngeblieben – ein Umstand, der die Prioritätensetzung mancher Parteien deutlich macht.
Was der Abend in Neubrandenburg zeigte: Die Kita-Debatte in Mecklenburg-Vorpommern steckt in einer Sackgasse. Während Eltern und Fachkräfte konkrete Lösungen und Zeitpläne fordern, bleibt die Politik bei allgemeinen Versprechen und Wahlkampfrhetorik. Die dringend benötigten Verbesserungen bei Betreuungsschlüsseln und Arbeitsbedingungen rücken in weite Ferne.



