Ludwigslust: 800.000 Euro für Sanierung von historischer Friese-Orgel und Europas größtem Altarbild
Ludwigslust: 800.000 Euro für Orgel- und Altarbild-Sanierung

Historische Schätze der Ludwigsluster Stadtkirche benötigen dringende Rettung

In der Ludwigsluster Stadtkirche steht ein einzigartiges kulturelles Erbe auf dem Spiel. Gleich zwei bedeutende Kunstwerke – die historische Friese-Orgel von 1876 und Europas größtes Altargemälde – sind dringend sanierungsbedürftig. Die geschätzten Gesamtkosten für beide Projekte belaufen sich auf rund 800.000 Euro, eine Summe, die die Gemeinde nicht alleine aufbringen kann.

Die Königin der Instrumente verliert ihre Kraft

Die Friese-Orgel, erbaut von Friedrich Friese III, gilt als herausragendes Beispiel mecklenburgischer Orgelbaukunst. Mit 30 Registern und etwa 2000 Pfeifen ist sie das zweitgrößte erhaltene Instrument dieses berühmten Orgelbauers weltweit. Doch nach 150 Jahren zeigt das Meisterwerk deutliche Altersspuren. „Der Wind reicht nicht mehr für ein volles Akkordspiel“, erklärt Kantor Jannes Wendt, der seit seiner Kindheit von dem mächtigen Klangbild fasziniert ist.

Die Liste der Schäden ist lang: undichte Stellen im Windsystem, eine ungleichmäßige Tontraktur zu den Pfeifen, Materialermüdungen und der Bedarf an komplett neuen Registern. Ein nicht fachgerechter Umbau aus dem Jahr 1956 und eine nur teilweise erfolgreiche Restaurierung im Jahr 2003 haben die Situation zusätzlich verschärft. Für die notwendige Sanierung werden etwa 360.000 Euro veranschlagt.

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Europas größtes Altargemälde ist nachgedunkelt

Doch die Orgel ist nicht das einzige Sorgenkind. Direkt vor ihr verbirgt sich hinter einem vorgezogenen Teil des Wandgemäldes das größte Altargemälde Europas. Die Darstellung der Verkündigung von Jesu Geburt an die Hirten ist mit der Zeit nachgedunkelt und benötigt dringend eine Restaurierung. „Diese Arbeiten müssen vor der Orgel passieren, sonst wird sie wieder beschmutzt“, betont Wendt. Für die Aufarbeitung der rund 700 mit Papiermaché beklebten und bemalten Kassetten werden weitere 400.000 Euro benötigt.

Erste Erfolge und regionale Unterstützung

Die Stadtkirchengemeinde hat bereits erste Förderzusagen erhalten. Für die Restaurierung des Altargemäldes stellt der Bund 208.000 Euro zur Verfügung. Landrat Stefan Sternberg hat die Schirmherrschaft für das ambitionierte Vorhaben übernommen. „Wir haben die kulturelle Verpflichtung, diesen ganz besonderen Schatz zu erhalten“, betont der 41-Jährige, für den es eine regionale Herzenssache ist.

Hans-Werner Reimers, Mitglied des Orgelausschusses, kümmert sich um die Finanzierung. Neben Anträgen an Bund, Land und Stiftungen plant der örtliche Rotary-Club für 2026 einen Adventskalender, dessen Erlös in beide Projekte fließen soll. „Wir hoffen, bis zu 12.000 Euro beisteuern zu können“, so Reimers.

Zeitplan und Kontaktmöglichkeiten

Der Ausbau der Orgel soll noch im letzten Quartal 2026 erfolgen, die Arbeiten am Altarbild sind für Frühjahr 2027 geplant. Interessierte, die sich über die Sanierungsarbeiten informieren oder das Projekt unterstützen möchten, können sich direkt an Kantor Jannes Wendt wenden. Die Stadtkirche Ludwigslust, älter als das benachbarte Schloss und mit ihrem tempelartigen Erscheinungsbild ein architektonisches Juwel, hofft auf breite Unterstützung, um diese einzigartigen kulturellen Schätze für kommende Generationen zu bewahren.

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