Historischer Schlauchturm in Ludwigslust steht zur Versteigerung: Denkmalschutz trifft auf Visionen
Ludwigsluster Schlauchturm wird versteigert: 50.000 Euro Mindestgebot

Historischer Schlauchturm in Ludwigslust kommt unter den Hammer

In Ludwigslust steht ein besonderes Stück Stadtgeschichte zum Verkauf: Der historische Schlauchturm aus dem Jahr 1931 wird am 5. März im Rahmen einer Auktion der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG in Hamburg versteigert. Das Mindestgebot liegt bei 50.000 Euro, doch Experten sind sich einig, dass der neue Eigentümer neben finanziellen Mitteln auch handwerkliches Geschick mitbringen muss.

Ein Bauwerk mit Geschichte und Herausforderungen

Der 21,5 Meter hohe Turm zwischen Friedrich-Naumann-Allee und Kanalstraße besteht aus reinem Ziegelmauerwerk und verfügt über vier Etagen plus Dachgeschoss. Jede Ebene bietet lediglich 18 Quadratmeter Fläche, was die Nutzungsmöglichkeiten deutlich einschränkt. Die historische Bausubstanz umfasst eine veraltete Stromversorgung und Holztreppen, die sich seitlich durch die Stockwerke winden.

Bürgermeister Stefan Pinnow verteidigt die Versteigerungspläne der Stadt als Eigentümerin: „Warum sollten wir das Geld liegen lassen?“ Die Stadt erhofft sich einen guten Erlös, während einige Ludwigsluster das Mindestgebot als optimistisch einschätzen.

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Jahrzehntelang ungenutzt und denkmalgeschützt

Seine ursprüngliche Funktion als Trocknungsturm für Feuerwehrschläuche hat der Bau seit Jahrzehnten nicht mehr erfüllt. Feuerwehrchef Ringo Klitta bestätigt: „Das muss schon Jahrzehnte her sein.“ Nach Recherchen der Redaktion könnte die Nutzung bereits in den 1980er-Jahren eingestellt worden sein, da die Feuerwachen längst an andere Standorte verlegt wurden.

Der denkmalgeschützte Status schränkt mögliche Umbauten ein, doch es existieren bereits positive Bauvorbescheide für verschiedene Nutzungsszenarien:

  • Wohnraum in einer oder mehreren Etagen
  • Gewerbliche Nutzung
  • Ferienobjekt für Touristen

Expertenwissen und Entwicklungspotenzial

Der 27-jährige Bauingenieur Maximilian Richter hat sich intensiv mit dem Turm beschäftigt. In seiner Belegarbeit an der Fachhochschule Wismar analysierte er die Bausubstanz und kam zu einem gemischten Fazit: „Man kann etwas aus dem Turm machen, allerdings muss man sehr viel umbauen.“

Interessant ist die historische Dimension: Richter entdeckte in Archiven Zeichnungen, die belegen, dass der Turm ursprünglich mit einer hölzernen Spitze sechs Meter höher war und sogar einen Wetterhahn trug. Erbaut wurde das Bauwerk 1931 von der Ludwigsluster Firma Ricke in Nähe der damaligen Bleiche, wo auch die Spritzenwagen der Feuerwehr stationiert waren.

Praktische Details der Versteigerung

Zum Turm gehört ein kleines Grundstück von etwa 400 Quadratmetern, das die Möglichkeit für einen Anbau bietet. Äußerlich präsentiert sich der Klinkerbau solide, abgesehen von einigen Schmierereien im unteren Bereich. Das Dach bedarf jedoch dringender Reparaturen.

Die Versteigerer preisen den Turm als „echte Rarität und außergewöhnliche Immobilie“. In der Frühjahrsauktion werden insgesamt 32 Immobilien aus fünf norddeutschen Bundesländern angeboten, wobei die meisten Objekte aus Mecklenburg-Vorpommern stammen. Die Summe aller Mindestgebote beläuft sich auf rund 1,9 Millionen Euro.

Für visionäre Investoren bietet der Ludwigsluster Schlauchturm eine einzigartige Chance, ein Stück Regionalgeschichte zu bewahren und neu zu interpretieren – vorausgesetzt, sie bringen neben dem nötigen Kapital auch Geduld und Kreativität für den anspruchsvollen Umbau mit.

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