Mecklenburg-Vorpommern: Immer mehr Kinder leiden unter Sucht in der Familie
MV: Immer mehr Kinder in suchtbelasteten Familien

Immer mehr Kinder in MV wachsen bei suchtkranken Eltern auf

In Mecklenburg-Vorpommern nimmt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in suchtbelasteten Familien leben, kontinuierlich zu. Dies geht aus aktuellen Daten der Suchtberatungsstellen im Nordosten hervor, die die Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (Lakost) anlässlich einer bundesweiten Aktionswoche vom 22. bis 28. Februar veröffentlicht hat.

Besorgniserregende Zahlen und eine hohe Dunkelziffer

Im Jahr 2024 waren laut den offiziellen Statistiken 3802 minderjährige Kinder in Mecklenburg-Vorpommern von der Suchterkrankung mindestens eines Elternteils betroffen. Besonders alarmierend ist dabei, dass 2327 dieser Kinder mit dem suchtkranken Elternteil in einem Haushalt leben und damit unmittelbar der belastenden Situation ausgesetzt sind, ohne geschützten Rückzugsraum zu haben. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl erneut gestiegen – 2023 wurden noch 3675 betroffene Mädchen und Jungen registriert.

Lakost-Geschäftsführerin Birgit Grämke betont jedoch, dass diese Zahlen nur die Spitze des Eisberges darstellen. Erfasst wurden ausschließlich Suchtkranke oder deren Angehörige, die bereits professionelle Hilfe in Beratungsstellen gesucht haben. Die tatsächliche Dunkelziffer ist deutlich höher, da viele suchtkranke Eltern keine Unterstützung in Anspruch nehmen, ihre Abhängigkeit verdrängen oder nicht als Erkrankung anerkennen. „Dadurch bleiben zahlreiche betroffene Kinder statistisch unsichtbar“, bedauert Grämke.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Jeder Neunte in MV ist direkt von Sucht betroffen

Dem aktuellen Suchtbericht 2024 zufolge hat in Mecklenburg-Vorpommern jeder neunte Einwohner ein Suchtproblem. Bei einer Gesamtbevölkerung von 1,57 Millionen sind damit knapp 175.000 Menschen direkt betroffen. Hinzu kommen Angehörige, Freunde und Kollegen, deren Leben ebenfalls durch die Suchtprobleme beeinträchtigt wird.

Kinder tragen eine schwere Last

Wenn ein Elternteil suchtkrank ist, sind Kinder in besonderem Maße betroffen. Sie erleben Angst, Scham und soziale Isolation, ohne dass ihre Not wahrgenommen wird. Viele behalten ihre Sorgen, Fragen und Ängste für sich, um Vater oder Mutter nicht bloßzustellen. In zahlreichen Familien werden Suchtprobleme totgeschwiegen – „aber Schweigen schützt nicht, es verstärkt die Belastung noch“, erklärt Birgit Grämke.

Kinder aus suchtbelasteten Familien übernehmen oft Verantwortung, die ihnen nicht zusteht, fühlen sich schuldig für das Verhalten ihrer Eltern oder geraten in quälende Loyalitätskonflikte. Diese prägenden Erfahrungen wirken häufig weit über die Kindheit hinaus. Dabei ist Sucht keine Frage mangelnder Willenskraft, sondern eine anerkannte chronische Erkrankung, die das gesamte Familiensystem betrifft. „Wenn Eltern suchtkrank sind, geraten auch Kinder aus dem Gleichgewicht“, so Grämke.

Erhöhtes Risiko für spätere Erkrankungen

Kinder aus suchtbelasteten Familien tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für:

  • Psychische Erkrankungen
  • Entwicklungsverzögerungen
  • Schulische Schwierigkeiten
  • Eine eigene spätere Suchterkrankung

Doch es gibt auch Hoffnung: Frühzeitige professionelle Unterstützung kann entscheidend dazu beitragen, Leid zu lindern, Risiken zu reduzieren und Lebenswege positiv zu verändern. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Eltern, die frühzeitig Beratung in Anspruch nehmen, häufiger Krankheitseinsicht entwickeln, ihren Konsum stabilisieren oder eine Therapie beginnen. Davon profitieren nicht nur sie selbst – sondern vor allem ihre Kinder.

Hilfsangebote während der Aktionswoche

Die bundesweite Aktionswoche macht auf entsprechende Hilfsangebote aufmerksam. Dazu gehören in Mecklenburg-Vorpommern:

  1. Die 24 Sucht- und Drogenberatungsstellen im Land
  2. Die Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (Lakost), die Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte anbietet
  3. Die Landesfachstelle KipsFam mit ihren acht Regionalstellen, die sich speziell an sucht- oder psychisch belastete Familien mit Kindern richtet

Die Experten betonen, dass frühzeitige Intervention nicht nur den betroffenen Eltern hilft, sondern insbesondere den Kindern eine Chance auf eine gesündere Entwicklung bietet.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration