MV-Umweltminister Backhaus übt scharfe Kritik an neuen Wolfsregelungen
Die jüngsten Beschlüsse des Bundestages zur Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht stoßen in Mecklenburg-Vorpommern auf deutliche Ablehnung. Umweltminister Till Backhaus (SPD) äußerte in Schwerin erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit der neuen Vorschriften. „Ich habe erhebliche Zweifel, dass die Änderung des Bundesjagdgesetzes und die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes für rechtssichere Verfahren zur Wolfsentnahme sorgen“, erklärte der Minister mit Blick auf das Kleingedruckte der Gesetzesvorlagen.
Bundestag beschließt erleichterten Abschuss von Problemwölfen
Der Deutsche Bundestag hatte am Donnerstag mit den Stimmen der schwarz-roten Koalition und der AfD eine Neuregelung verabschiedet, die den Abschuss sogenannter Problemwölfe deutlich erleichtern soll. Konkret bedeutet dies:
- Wölfe können künftig einfacher getötet werden, wenn sie Zäune überwunden und Schafe gerissen haben
- Die Bundesländer erhalten mehr Spielraum bei der Festlegung von Jagdgebieten
- Vor Inkrafttreten muss jedoch noch der Bundesrat zustimmen
Backhaus kritisierte insbesondere, dass die neuen Regeln nicht hinreichend konsequent und praxistauglich seien. Der Minister befürchtet, dass die komplexen Bestimmungen in der Praxis zu langwierigen und unsicheren Verfahren führen könnten.
Details der neuen Wolfsjagd-Regelungen
Die vom Bundestag beschlossene Neuregelung sieht mehrere wichtige Änderungen vor:
- Bundesländer dürfen die Wolfsjagd in Regionen erlauben, wo sich der Wolf in einem günstigen „Erhaltungszustand“ befindet
- Als Jagdzeit ist der Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen
- Wölfe, die Weidetiere getötet oder verletzt haben, dürfen unabhängig von Erhaltungszustand und Jagdzeit geschossen werden
- Länder können spezielle Gebiete bestimmen, in denen die Wolfsjagd erforderlich ist - etwa auf Almen oder Deichen
Trotz der erleichterten Abschussmöglichkeiten soll es weiterhin finanzielle Unterstützung für Schutzmaßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde geben.
Wolfsbestand in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern wächst rasant
Die Diskussion um strengere Wolfsregelungen findet vor dem Hintergrund eines stark wachsenden Wolfsbestandes statt. In Europa hat sich die Zahl der Wölfe binnen zehn Jahren nahezu verdoppelt - im Jahr 2023 wurden etwa 20.300 Tiere gezählt.
In Deutschland leben mittlerweile mehr als 1.600 Wölfe, vor allem in einem breiten Streifen von Niedersachsen über Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Sachsen. Die konkrete Situation in Mecklenburg-Vorpommern:
- Im vergangenen Jahr lebten 28 Wolfsrudel im Bundesland (nach 19 im Vorjahr)
- 2025 gab es 77 mutmaßliche Wolfsangriffe auf Weidetiere
- Dabei wurden 424 Tiere getötet und 39 verletzt
Diese Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit einer praktikablen Lösung für den Umgang mit dem Raubtier, wie Backhaus betonte. Der Minister forderte nachhaltige und rechtssichere Regelungen, die sowohl dem Artenschutz als auch den berechtigten Interessen der Weidetierhalter gerecht werden.



