Polizei in Mecklenburg-Vorpommern: Beamte fühlen sich unsicher an der Waffe wegen mangelndem Schießtraining
MV-Polizisten: Zu wenig Schießtraining - Beamte unsicher an Waffe

Polizei in Mecklenburg-Vorpommern: Beamte fühlen sich unsicher an der Waffe wegen mangelndem Schießtraining

In Mecklenburg-Vorpommern schlagen Polizisten Alarm: Wegen fehlender Schießanlagen, knapper Zeit und begrenzter Kapazitäten erhalten viele Beamte viel zu wenig Training im Umgang mit ihrer Dienstwaffe. Selbst die jährlich vorgeschriebenen Pflichtübungen werden oft nicht absolviert, was zu erheblichen Unsicherheiten führt. Der Bürgerbeauftragte des Landes und die Gewerkschaft der Polizei fordern nun den Innenminister zum sofortigen Handeln auf.

Hilferuf aus den Reihen der Polizei

Diverse Polizisten haben sich in den letzten Monaten an den Bürgerbeauftragten Silvio Witt oder ihre Gewerkschaft gewandt. Der Grund: Es gibt zu wenige Schießanlagen, um den Umgang mit dem wichtigsten Werkzeug der Beamten sicher zu handhaben. Aktuell stehen nur die zentrale Schießanlage in Güstrow und eine veraltete Anlage in Anklam zur Verfügung. Optionen, auf Anlagen von Schützenvereinen oder der Bundeswehr zu trainieren, sind selten nutzbar, oft wegen technischer Anforderungen oder fehlender Kapazitäten.

Christian Schumacher, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern, erklärt die dramatischen Konsequenzen: „Wenn etwas passiert, wie kürzlich im Saarland, wo Polizisten einen flüchtenden Autofahrer erschossen haben, fragt der Staatsanwalt sofort: Konnten die überhaupt schießen?“ Viele Kollegen beklagten sich darüber, dass selbst Mindeststandards nicht eingehalten werden könnten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Selbst Pflichtübungen fallen aus

Ein Beamter berichtet, er habe seit vier Jahren kein Schießtraining mehr absolviert. Grund seien fehlende Räumlichkeiten, keine Zeit im Dienstplan oder kein verfügbares Dienstfahrzeug für die Anfahrt. „Es ist eine Vollkatastrophe“, sagt ein Polizist anonym. Mehr als die ohnehin knappen Pflichtübungen gebe es nicht: „Kein weiteres Schießtraining, kein Nachfassen, nichts.“ Unsicherheiten, besonders bei Beamten mit schlechten Schießfertigkeiten, könnten so kaum behoben werden.

Der Bürgerbeauftragte Silvio Witt hat sich bereits an Innenminister Christian Pegel von der SPD gewandt. Die Antwort des Ministers: Es gebe zwar Pläne für Verbesserungen, aber aktuell fehle das Geld. „Wir können nur versuchen, aufzuklären“, so Witt resigniert. Die Gewerkschaft fordert indes konkrete Maßnahmen und appelliert direkt an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, das Thema Sicherheit zur Chefinnensache zu machen.

Ministerium relativiert – Zahlen sprechen eine andere Sprache

Das Innenministerium bestätigt zwar die Nutzung der beiden eigenen Schießanlagen und verweist auf eine dritte, gemietete Anlage in Rostock, die sich im Umbau befindet. Eine Sprecherin von Minister Pegel versichert, dass die vorgeschriebenen Kontrollübungen damit „abgedeckt“ würden. Doch interne Zahlen des Ministeriums aus dem Vorjahr zeichnen ein anderes Bild.

Für Polizisten mit Außeneinsatz wurden im Jahr 2024 je nach Dienstelle nur zwischen 62 und 100 Prozent der verpflichtenden Schießübungen erreicht. Noch dramatischer ist die Situation bei Beamten im Innendienst, etwa in Verwaltung oder Technik: Hier sanken die Quoten teilweise auf bis zu 20 Prozent. Das bedeutet, dass nur einer von fünf dieser Beamten seine obligatorischen Übungen erfüllt hat.

Politische Reaktionen und Forderungen

Ann Christin von Allwörden, Sicherheitsexpertin der CDU-Fraktion im Landtag, bezeichnet die Zustände als „irre“. Sie warnt: „Wenn etwas passiert, wird wieder mit dem Finger auf Beamte gezeigt. Das ist nicht fair.“ Der Dienstherr, also das Innenministerium, sei in der Pflicht, für ausreichend Training zu sorgen.

Christian Schumacher von der GdP betont: „Die Bevölkerung erwartet, dass diejenigen, die eine Waffe tragen, damit auch sicher umgehen können.“ Dies sei aktuell nicht durchweg gewährleistet. Das Land habe „keinen Plan B“, jetzt, da Bundeswehr und Vereine die Polizei kaum noch in ihre Anlagen lassen. Die Forderung lautet daher: Mehr Schießhallen und regelmäßige, verpflichtende Übungen, um die Sicherheit der Beamten und der Bürger zu gewährleisten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration