Besorgniserregende Impflücke: Senioren in Mecklenburg-Vorpommern ungenügend gegen Grippe geschützt
MV: Senioren unzureichend gegen Grippe geimpft

Besorgniserregende Impflücke in Mecklenburg-Vorpommern

Die aktuelle Grippewelle fällt in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr deutlich stärker aus als in den Vorjahren. Trotz dieser erhöhten Gefahr nutzen viel zu wenige Menschen die Möglichkeit, sich durch eine Impfung vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen. Dies bedauert die Landesvertretung der Barmer Krankenkasse, die sich dabei auf die letzten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2023 bezieht. Die Inanspruchnahme der Grippeschutzimpfung dürfte sich seither nicht wesentlich verändert haben.

Alarmierende Zahlen bei Risikogruppen

Die Barmer hat Daten ihrer Versicherten ausgewertet, die sich aufgrund der hohen Versichertenzahl für ganz Mecklenburg-Vorpommern verallgemeinern lassen. Das Ergebnis ist mehr als besorgniserregend. Lediglich 48,6 Prozent der über 60-jährigen Barmer-Versicherten aus MV sind dem jüngsten Arzneimittelreport der Kasse zufolge gegen Influenza geimpft. Noch einmal deutlich niedriger fällt die Quote bei den 60- bis 64-Jährigen aus, also bei in der Regel noch berufstätigen Personen: Hier verfügen gerade einmal 29,1 Prozent über einen Grippeimpfschutz.

Erst bei den über 80-Jährigen steigen die Werte laut Henning Kutzbach, dem Landesgeschäftsführer der Barmer, auf über 60 Prozent an. Das ambitionierte Ziel der Weltgesundheitsorganisation, eine Impfquote von 75 Prozent zu erreichen, wird jedoch auch in dieser Altersgruppe noch deutlich verfehlt. „Die Grippeimpfung kann Leben retten. Offenbar nehmen viele Menschen diese Schutzmaßnahme nicht als notwendig wahr“, kritisiert Kutzbach deutlich.

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Besonders vulnerable Gruppen gefährdet

Besonders bedenklich ist aus Sicht der Krankenkasse, dass auch Pflegebedürftige als besonders vulnerable Gruppe sich zu selten impfen lassen. Nur 48,9 Prozent der Pflegebedürftigen im Pflegeheim und 45,6 Prozent der Pflegebedürftigen in der Häuslichkeit waren zuletzt geimpft. Pflegebedürftige ab 70 Jahren wurden insgesamt sogar seltener geimpft als gleichaltrige Menschen ohne Pflegebedarf.

Gerade für Pflegeheimbewohner könnte eine Grippeinfektion lebensbedrohliche Folgen haben. „Hier müssen wir dringend nachbessern“, fordert Kutzbach entschieden. Gleiches gilt für Herzinfarktpatienten: Obwohl medizinische Fachgesellschaften die Influenza-Impfung zur Vorsorge dringend empfehlen, habe weniger als die Hälfte der Betroffenen diesen wichtigen Schutz in Anspruch genommen.

Entwicklung der Grippewelle im Land

Dem Landesamt für Gesundheit und Soziales zufolge ist die Grippewelle seit dem Beginn der Winterferien in Mecklenburg-Vorpommern etwas abgeflacht. Die Zahl der Arztkonsultationen wegen akuter Atemwegsinfekte hat seither spürbar abgenommen. Allerdings sind gut 45.000 Arztbesuche wegen einer Grippe oder Erkältung in der zweiten Ferienwoche nach wie vor mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Nach wie vor dominieren unter den labortechnisch gesicherten Diagnosen Infektionen mit Influenza-A-Viren. Bei fast der Hälfte aller untersuchten Proben handelte es sich demnach um die echte Grippe. So gut wie keine Rolle spielt dagegen aktuell der Corona-Erreger SARS-CoV-2, der lediglich in 0,6 Prozent der untersuchten Proben nachgewiesen wurde.

Die Daten der Barmer machen deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen in Mecklenburg-Vorpommern besser vor der Grippe zu schützen. Die Impfquoten liegen in allen Risikogruppen deutlich unter den empfohlenen Werten und stellen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar.

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