Holocaust-Gedenken im Landkreis Ludwigslust-Parchim: Innovative Formen der Erinnerung
Vom 26. April bis zum 2. Mai 2026 gedenkt der Landkreis Ludwigslust-Parchim der Opfer des Holocaust und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mit einem außergewöhnlich vielfältigen Programm. Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin gehen dabei neue Wege und bieten Veranstaltungen auch außerhalb ihrer Einrichtungen an, um breitere Bevölkerungskreise zu erreichen. Der Eintritt zu allen Gedenkveranstaltungen ist kostenfrei.
Literaturkonzert als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Ein besonderes Highlight stellt das Literaturkonzert „Deutschland, siehst du das nicht?“ dar, das am 26. April um 15 Uhr im Solitär in Parchim aufgeführt wird. Das Ensemble OPUS 45, bestehend aus Musikern der Hamburgischen Staatsoper, Dresdner Philharmonie, des Beethoven Orchesters Bonn und der NDR-Radiophilharmonie Hannover, begleitet den Schauspieler Roman Knižka.
Das Programm verbindet Musik und Texte aus der späten Weimarer Republik und zeichnet den Weg von den kulturellen Aufbrüchen der 1920er Jahre bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten nach. Zu hören sind Werke von Hanns Eisler, Kurt Weill, Erwin Schulhoff, Jean Françaix und Paul Juon, ebenso wie Swing und Schlager von Cole Porter oder den Comedian Harmonists. Diese treffen auf Texte von Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Mascha Kaléko, Victor Klemperer, Sebastian Haffner und Dorothy Thompson.
Im Zentrum steht die bis heute aktuelle Frage: Welche Lehren ziehen wir aus dem Scheitern der ersten deutschen Demokratie?
Gedenken an historischen Orten
Bereits am 26. April um 13 Uhr findet an der Gedenkstätte am Bahnhof in Sülstorf eine bewegende Andacht statt. An diesem Ort starben zwischen dem 13. und 15. April 1945 über dreihundert Menschen in einem Räumungstransport aus dem KZ-Außenlager Beendorf. Der Zug mit fast 4500 Häftlingen – vorwiegend aus Frankreich, den Niederlanden und Ungarn – stand mehrere Tage auf dem Bahnhof des Ortes, wo viele der geschwächten Menschen den Strapazen erlagen.
Fotografie und persönliche Schicksale
Am 30. April wird im Gemeindehaus in Rastow die Fotoausstellung „Stille Zeugnisse“ von Lisa Massow und Therese Kietzmann eröffnet. Die Vernissage wird durch eine Lesung bereichert, die das Schicksal zweier niederländischer Familien während der NS-Zeit beleuchtet. Die Nachfahren Lieke van Amstel und Harry Vogels erzählen von ihren Großvätern, die auf verschiedenen Seiten der Geschichte standen.
- Bastiaan Herman war im niederländischen Widerstand aktiv, wurde verhaftet und ins Konzentrationslager Wöbbelin deportiert, wo er ums Leben kam.
- Jan Vogels sympathisierte als Niederländer mit den nationalsozialistischen Besatzern und trat der niederländischen Nationaal-Socialistische Beweging (NSB) bei.
Erweiterte Möglichkeiten der Gedenkstättenarbeit
Der neue Anbau der Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin bietet erweiterte Möglichkeiten für die Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit. Die Gedenkstätte erinnert an das ehemalige KZ-Außenlager Wöbbelin und entwickelt kontinuierlich neue Formate, um die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und aktuelle Bezüge herzustellen.
Durch diese vielfältigen Veranstaltungsformate – von Konzerten über Ausstellungen bis zu persönlichen Zeitzeugenberichten – schafft der Landkreis Ludwigslust-Parchim neue Zugänge zur Erinnerungskultur und ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit dieser dunklen Kapitel der deutschen Geschichte.



