Feuerwehr-Übungshaus in Neuendorf: Realitätsnahes Training für Seenplatte-Retter
Ein Haus steht in Vollbrand, drinnen herrschen extreme Hitze und absolute Dunkelheit. Beißender Rauch dringt durch jede Ritze, während Löschwasser und Ruß sich zu schwarzen Sturzbächen vermengen. Es zischt, knallt und stinkt – und irgendwo in diesem Inferno hat sich eine Frau mit ihrem Dackel in eine Ecke verkrochen. Beide müssen dringend gerettet werden.
Richtfest für 3,3 Millionen Euro teuren Neubau
Solche und ähnliche Szenarien werden Feuerwehrleute aus der Mecklenburgischen Seenplatte bald in einem neuen Übungshaus trainieren können. Auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Landkreises in Neuendorf wurde am Montag Richtfest für den knapp 3,3 Millionen Euro teuren Neubau gefeiert. Geladene Gäste aus Feuerwehren, Baugewerbe, Behörden und Politik waren zu der Zeremonie gekommen.
Landrat Thomas Müller (CDU) betonte die regionale Wirtschaftsförderung: „Ich bin glücklich, dass das Geld hier bei unserer Wirtschaft bleibt.“ Von den Bauaufträgen seien 2,9 Millionen Euro an Unternehmen aus dem Landkreis oder ganz Mecklenburg-Vorpommern vergeben worden, insgesamt seien 13 Firmen involviert.
163 Feuerwehren profitieren ab Herbst
Männer und Frauen von allen 163 Feuerwehren aus jedem Winkel der Seenplatte werden voraussichtlich ab dem vierten Quartal dieses Jahres regelmäßig in dem neuen Haus ihre Fertigkeiten schulen, erklärte Landkreis-Sprecher Nils Carl Henke. Das Gebäude werde eingerichtet wie ein echtes Wohnhaus – mit Keller, Couch, Kühlschrank und allem, was dazu gehört.
Allerdings bestehen Mobiliar sowie Fenster und Türen aus Edelstahl, denn alle anderen Materialien würden kaum den Wassermassen trotzen, die regelmäßig durch alle Etagen gepumpt werden. „Das kann man mit einem normalen Haus nicht machen“, so Henke.
Spezielle Konstruktion für maximale Sicherheit
Die Elektrik wird auf besondere Weise eingebaut und ist als nächstes dran. Nachdem eine Elektrofirma während der Bauphase in Insolvenz gegangen war und zuletzt Dauerfrost den Baufortschritt bremste, wollen die neuen Elektriker nun bald loslegen, sagte Ingenieur Martin Ernst von KER Projektservice aus Necklenburg.
Er schilderte die lange Planungsphase: „Die ersten Pläne hatten wir 2013. Da war alles noch viel kleiner.“ Das Projekt habe sich jedoch stetig weiterentwickelt: „Das Objekt wurde immer umfangreicher.“
Zum Übungshaus kommen hinzu:
- Ein Sozialgebäude mit Umkleideräumen, Toiletten und Schulungsraum
- Ein großer Carport als Abstellort für sechs Großcontainer des Brand- und Katastrophenschutzes
- Eine Abstellfläche für mobile Brandcontainer
Erstes Übungshaus dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern
Laut Nils Henke ist das neue Übungshaus in Neuendorf das erste seiner Art in Mecklenburg-Vorpommern. In Rostock sei ein ähnliches in Planung. „Es wird zur deutlichen Verbesserung der Übungs- und Ausbildungssituation benötigt“, betonte er.
Die besonderen Vorteile des Gebäudes:
- Unterschiedlichste Situationen zur Brandbekämpfung und Personenrettung werden realitätsgetreu simuliert
- Übungen unter nahezu echten Bedingungen ohne echte Brände
- Das Abwasser aus den Löschübungen wird über spezielle Leitungssysteme abgeführt
- Die Konstruktion ermöglicht es, das Gebäude „innerhalb von zwei Minuten komplett rauchfrei zu kriegen, falls jemand Panik bekommt oder noch Schlimmeres“
Die Bauarbeiten hatten im Mai 2025 begonnen, die Fertigstellung ist für August dieses Jahres geplant. Dann können die Feuerwehrleute der Mecklenburgischen Seenplatte ihre Einsätze unter fast realen Bedingungen trainieren – sicher, effektiv und ohne echte Gefahren.



