Fahrgäste gestrandet: Osterreisen an der Ostsee im Chaos versunken
Der Osterbesuch hatte für zahlreiche Reisende der Deutschen Bahn noch nicht einmal richtig begonnen, da war er bereits beendet. Besonders bitter trafen die massiven Zugausfälle am Ostersamstag Fahrgäste in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, die sich auf den Weg zu Freunden und Familie machen wollten.
Vollsperrung Berlin-Hamburg und dann noch Osterchaos
Als ob die mehr als zehnmonatige Vollsperrung der Bahnstrecke Berlin-Hamburg mit ihren massiven Problemen nicht schon genug gewesen wäre, mussten zehntausende Pendler und Reisende ausgerechnet am Ostersamstag mit zeitraubenden zusätzlichen Verspätungen und kompletten Zugausfällen leben. Betroffene sprachen von „chaotischen Zuständen“ und unzumutbaren Bedingungen.
Bahnkunden, die von Lübeck aus in Richtung Bad Kleinen und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs waren, konnten plötzlich von der Hansestadt an der Ostsee nicht mehr weiterfahren. Sie mussten dort kurzfristig und völlig unerwartet auf einen Schienenersatzverkehr umsteigen, der nur unzureichend organisiert war. Viele Fahrgäste strandeten komplett und sagten aufgrund extrem langer Wartezeiten ihren Osterbesuch bei Freunden und Familie vollständig ab.
Bahnsprecher: Stellwerk vier Stunden nicht besetzt
Auf die massiven Missstände angesprochen, erklärte ein Bahnsprecher am Ostermontag: „Das Stellwerk in Grieben war am Samstag zwischen 9 und 13 Uhr aufgrund eines kurzfristigen Personalausfalls nicht besetzt. Das hat den Zugverkehr zwischen Lübeck und Rostock erheblich beeinträchtigt.“
Im Regionalverkehr kam es zu zahlreichen Zugausfällen, während im Fernverkehr einzelne IC-Züge nicht zwischen Lübeck und Rostock verkehren konnten. Die Deutsche Bahn bat die betroffenen Reisenden ausdrücklich um Entschuldigung für die entstandenen Unannehmlichkeiten und den ruinierten Osterurlaub.
Hochspezialisierte Fachkräfte schwer ersetzbar
Die Bahn verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass es sich bei den Mitarbeitern in den Stellwerken um hochspezialisierte Fachkräfte handelt, die kurzfristig nur äußerst schwer ersetzbar sind. Die Fahrdienstleiter müssen für die jeweilige Stellwerkstechnik speziell ausgebildet sein und für die örtlichen Gegebenheiten intensiv eingearbeitet werden.
Wo immer es möglich sei, würden die Fahrdienstleiter so weitergebildet, dass sie im Bedarfsfall flexibler auf unterschiedlichen Stellwerken eingesetzt werden könnten. Dennoch bleibe die Personaldecke an kritischen Stellen dünn.
Zugausfälle zwischen Lübeck und Rostock
Der Bahnsprecher betonte weiter: „Klar ist, dass Stellwerke nicht besetzt werden können und unsere Kunden darunter leiden, muss eine Ausnahme bleiben. Wir versuchen in jedem einzelnen Fall Ersatz für etwa erkrankte Fahrdienstleiter zu finden, um die Auswirkungen kurzfristiger Personalausfälle auf ein Minimum zu begrenzen.“
Laut Bahn sind in Deutschland rund 13.000 Zugverkehrssteuerer im Dienst, die eine zentrale Rolle im täglichen Bahnverkehr spielen. Sie stellen auf den Stellwerken und in den Betriebszentralen Signale und Weichen und sorgen so für sichere, reibungslose und pünktliche Zugfahrten.
Bei Störungen lotsen sie Züge über Umleitungsstrecken oder entscheiden, welcher Zug wann alternativ über welches Gleis rollt. Diese anspruchsvolle Arbeit erfordert umfangreiche Regelkenntnis, hohe Konzentrationsfähigkeit und ausgeprägte Stressresistenz – Eigenschaften, die nicht jeder Mitarbeiter mitbringt und die die Ersatzbeschaffung bei kurzfristigen Ausfällen besonders schwierig gestalten.



