Notaufnahmen am Limit: Dringender Handlungsbedarf bei deutscher Notfallversorgung
Die Situation in deutschen Krankenhaus-Notaufnahmen ist alarmierend und allgemein bekannt: Chronische Überfüllung führt zu langen Wartezeiten, enormem Stress für Patienten sowie für Ärzte und Pflegepersonal. Seit Jahren wird an Lösungen für dieses drängende Problem gearbeitet, doch eine nachhaltige Reform lässt weiter auf sich warten.
Jahrelange Reformbemühungen ohne durchschlagenden Erfolg
Die zentrale Frage bleibt ungelöst: Wie können kranke und verletzte Menschen bedarfsgerecht ins Gesundheitssystem eingesteuert werden? Wer gehört tatsächlich in eine Notaufnahme, wer kann zu Hause bleiben oder bis zum nächsten Hausarzttermin warten? Drei Bundesgesundheitsminister – Jens Spahn (CDU), Karl Lauterbach (SPD) und aktuell Nina Warken (CDU) – haben sich bereits mit diesem komplexen Thema befasst, ohne es auf eine zukunftsfähige gesetzliche Basis zu stellen.
Bundesgesundheitsministerin Warken warnte bereits im Dezember beim CDU-Wirtschaftsrat, die anstehende Notfallreform werde „kein Spaziergang“, da zahlreiche Interessen unter einen Hut gebracht werden müssten. Ein aktueller Referentenentwurf sieht die Schaffung sogenannter Integrierter Notdienstzentren (INZ) vor, die Ersteinschätzungsstelle, Notaufnahme und Notdienstpraxis vereinen sollen.
Drese erhöht den Druck auf Bundesebene
Stefanie Drese, Gesundheitsministerin in Mecklenburg-Vorpommern, drängt nun auf zügiges Handeln: „Die Notfallreform muss rasch kommen. Weitere Zeitverzögerungen sind nicht mehr zumutbar. Frau Warken muss jetzt liefern.“ Die SPD-Politikerin fordert, dass die Kabinettsbefassung noch im ersten Quartal 2026 erfolgen müsse, damit parlamentarische Beratungen beginnen können.
„Wir brauchen die Notfallreform, da sie deutliche Verbesserungen bringt und eine effektivere Notfallversorgung durch bessere Steuerung erfolgen kann“, betonte Drese. Mecklenburg-Vorpommern positioniere sich als Vorreiter mit mehreren Modellprojekten, benötige aber eine gesicherte gesetzliche Grundlage zur Verstetigung der Reformansätze.
Pasewalk als bundesweites Leuchtturmprojekt
In einigen Krankenhäusern entstehen bereits Integrierte Notfallzentren, die klassische Notaufnahmen mit vertragsärztlicher Versorgung verknüpfen. Patienten erhalten nach einer Erstuntersuchung am „gemeinsamen Tresen“ eine sachgerechte Versorgung. In Mecklenburg-Vorpommern sind bereits die meisten Bereitschaftsdienstpraxen der Kassenärztlichen Vereinigung vorbildlich in Krankenhäusern angesiedelt.
Besonders hervorzuheben ist das Klinikum Pasewalk, dessen Notaufnahme mit sechs Millionen Euro vom Land modernisiert wurde. „Mit der neuen Struktur der Notaufnahme des Krankenhauses in Pasewalk werden die Bereiche Rettungsdienst, Leitstelle, Krankenhaus und ambulante Versorgung besser verzahnt“, erklärt Drese. Dadurch entstünden sektorenübergreifende Notfallversorgungsstrukturen, die eine bedarfsgerechte medizinische Erstversorgung garantieren.
Das modernisierte Krankenhaus Pasewalk entwickele sich zu einem wesentlichen Bestandteil einer leistungsstarken Notfallversorgung und sei damit bundesweit richtungsweisend. Diese positiven Erfahrungen aus Mecklenburg-Vorpommern könnten als Blaupause für eine deutschlandweite Reform der Notfallversorgung dienen.



