Tauwetter führt zu massiven Überschwemmungen in Sandhagen
In der Gemeinde Sandhagen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte haben die anhaltenden Tauwetterperioden zu erheblichen Problemen geführt. Die Ortsdurchfahrt musste am vergangenen Wochenende vollständig gesperrt werden, nachdem sich große Wassermassen auf der Straße angesammelt hatten. Die zuständigen Behörden sprachen von einer nicht mehr gewährleisteten sicheren Befahrbarkeit, während betroffene Anwohner bauliche Mängel als Ursache vermuten.
Feuerwehr im Großeinsatz gegen die Wassermassen
Mehr als 30 Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehren aus Kotelow, Lübbersdorf und Schwichtenberg/Klockow waren im Einsatz, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. "Auf den umliegenden Feldern bildeten sich zahlreiche Flüsse und Seen, die sich an der tiefsten Stelle sturzbachartig auf die Landesstraße ergossen", berichtet die betroffene Anwohnerin Ricarda Wegner. Die Einsatzkräfte konnten einen Teil der Wassermassen auf ein gegenüberliegendes Feld umleiten, doch eine vollständige Verhinderung der Straßensperrung war nicht möglich.
Die Anwohner zeigen sich dankbar für den engagierten Einsatz der Feuerwehr, kritisieren jedoch gleichzeitig, dass es "wiederholt soweit kommen musste". Ihrer Ansicht nach liegen die Probleme in baulichen Mängeln begründet, die bei einer vor Jahren durchgeführten Straßensanierung entstanden sein sollen.
Anwohner erheben konkrete Vorwürfe gegen Landesamt
Die betroffenen Sandhagener machen vor allem das Landesamt für Straßenbau und Verkehr verantwortlich. Ihre konkreten Vorwürfe umfassen:
- Bei der Straßensanierung seien unter der Fahrbahn querverlaufende Rohre zur Entwässerung der Felder entfernt worden
- An neuralgischen Punkten der Landesstraße 28 fehlten ausreichende Straßengräben zur Wasserableitung
- Es gebe keine Querleitung, die das Wasser unter der Straße entlang führen könnte
Die Anwohner fordern daher dringend bauliche Nachbesserungen, um zukünftige Überflutungen zu verhindern.
Landesamt weist Kritik entschieden zurück
André Horn aus dem Bereich "Kommunikation, Internet, Baustelleninformation" des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr widerspricht den Vorwürfen der Anwohner deutlich. "Die Vorwürfe lassen sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht belegen", erklärt er auf Anfrage. Das Amt verweist darauf, dass in den vergangenen Jahren keine Straßenbaumaßnahmen im betroffenen Bereich stattgefunden hätten, bei denen Entwässerungsleitungen verändert worden wären.
Horn betont weiter: "Solche baulichen Eingriffe sind üblicherweise aktenkundig, entsprechende Unterlagen liegen jedoch nicht vor." Das Landesamt sieht die Ursache der Überflutungen vielmehr in der aktuellen Witterungslage begründet.
Gefrorene Böden als Hauptursache laut Behörden
Nach Einschätzung des Landesamtes stehen die Überflutungen in direktem Zusammenhang mit den gefrorenen Böden. Diese verhindern, dass Niederschlags- und Schmelzwasser versickern können. Das führe dazu, dass zusätzliches Wasser bei Starkregen von abschüssigen Ackerflächen auf die Straße fließe – ein Phänomen, das laut Behördenangaben auch an verschiedenen anderen Stellen im Land zu beobachten sei.
Die vorhandene Straßenentwässerung sei "voll funktionsfähig" und darauf ausgelegt, das auf der Fahrbahn anfallende Oberflächenwasser ordnungsgemäß abzuleiten. Allerdings sei sie nicht dafür konzipiert, zusätzlich größere Wassermengen aus angrenzenden Flächen aufzunehmen. Aus Sicht des Straßenbaulastträgers, dem Straßenbauamt Neustrelitz, seien daher derzeit keine über die bestehende Entwässerung hinausgehenden Maßnahmen vorgesehen.
Langjähriges Problem mit historischen Vorfällen
Das Problem mit Wassermassen bei ungewöhnlichen Wetterereignissen ist in Sandhagen kein neues Phänomen. Bereits vor mehr als zehn Jahren wurde im Nordkurier über eine Schlammlawine berichtet, die den kleinen Ort nach einem heftigen Schauer überspülte. Auch damals musste die Ortsdurchfahrt bereits gesperrt werden.
Ricarda Wegner erinnert sich: "Vor mehr als zehn Jahren habe es in der Gemeinde schon eine Vorplanung zu einem Rückhaltebecken gegeben. Leider wurde diese Planung aus Kostengründen nicht in die Tat umgesetzt." Diese historische Parallele unterstreicht die Dringlichkeit des Problems aus Sicht der Anwohner.
Anwohner hoffen auf gemeinsame Lösung
Die betroffenen Sandhagener setzen nun darauf, dass die Gemeinde Galenbeck und das Amt Friedland alle Beteiligten an einen Tisch bringen. Dem Galenbecker Bürgermeister Thomas Herrholz (SPD) sei die Problematik bereits mitgeteilt worden. Die Anwohner hoffen, "dass nun endlich eine Lösung herbeigeführt wird".
Konkrete Vorschläge der Anwohner umfassen:
- Den Bau von Dämmen und Gräben auf den Ackerflächen durch Eigentümer und Pächter
- Hochwasserschutzmaßnahmen am Rande der Felder
- Eine erneute Prüfung der Möglichkeit eines Rückhaltebeckens
Diese Maßnahmen könnten verhindern, dass das Wasser bereits weit vor dem Ort überläuft und so die Straßenüberflutungen reduziert werden. Die Anwohner bleiben jedoch besorgt, dass ohne konkrete bauliche Veränderungen ähnliche Vorfälle bei zukünftigen Tauwetterperioden erneut auftreten könnten.



