Schimmel und abgefahrene Reifen: Ersatzbusse in Mecklenburg-Vorpommern werden zum Albtraum
Schimmel und abgefahrene Reifen: Ersatzbusse zum Albtraum

Schimmel und abgefahrene Reifen: Ersatzbusse in Mecklenburg-Vorpommern werden zum Albtraum

In Mecklenburg-Vorpommern offenbaren sich bei den vom Busunternehmen Ecovista eingesetzten Ersatzbussen erschreckende Qualitätsmängel, die Fahrgäste an ihre Grenzen bringen. Zwei Schweriner Männer erlebten während einer Fahrt mit dem Schienenersatzverkehr zwischen Berlin und Hamburg Zustände, die sie als "eklig und vermodert" beschreiben.

Verschimmelte Sitze und gefährliche Reifen

Hartmut Senff und Tobias Küstermann berichteten dem Nordkurier von ihrer schockierenden Erfahrung am vergangenen Wochenende. Nachdem bereits am Samstagabend zwei geplante Busverbindungen in Bad Wilsnack komplett ausgefallen waren und die Männer nur mit Mühe eine Hotelübernachtung organisieren konnten, setzte sich der Albtraum am Sonntag fort.

Der Ersatzbus, mit dem sie schließlich von Quitzow nach Schwerin Süd fuhren, befand sich in einem besorgniserregenden Zustand:

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  • Der hintere rechte Reifen hatte praktisch kein Profil mehr
  • Das Fahrzeug war innen wie außen stark abgenutzt
  • Die Sitze waren mit Schimmel befallen
  • Während der Fahrt traten laute, untypische Klapper- und Vibrationsgeräusche auf

Die beiden Fahrgäste beschrieben den Bus als "total versifft und dreckig" und zeigten sich entsetzt: "Wir hätten nicht gedacht, dass auf Deutschlands Straßen solche Busse unterwegs sind. Wir dachten bisher, so etwas gibt es nur in der Dritten Welt."

Internationaler Flickenteppich an Bussen

Besonders bemerkenswert war für die Fahrgäste die Herkunft des Fahrzeugs. Senff berichtete: "Zusätzlich fiel auf, dass der Bus im Innenraum ungarische Beschriftungen aufwies, unter anderem ein Display mit dem Logo des Budapester Verkehrsbetriebs BKK – Budapesti Közlekedési Központ."

Hintergrund dieser Situation ist ein anhaltender Streit zwischen Ecovista und dem Leasinggeber der Busse. Das in Augsburg beheimatete Unternehmen muss sich deshalb händeringend in Deutschland und offenbar auch europaweit Ersatzfahrzeuge zusammensuchen, um den Schienenersatzverkehr aufrechtzuerhalten, für den es von der Deutschen Bahn beauftragt wurde.

Deutsche Bahn mahnt Qualitätsstandards an

Die Deutsche Bahn als Auftraggeberin hat bereits vertraglich festgehaltene Qualitätsstandards angemahnt und deren Einhaltung gefordert. Große Zweifel gibt es mittlerweile, ob der von Ecovista zusammengestellte Flickenteppich an Ersatzbussen diesen Standards überhaupt entspricht.

Ecovista räumte gegenüber dem Nordkurier am Wochenende ein, dass die derzeit eingesetzten Busse über zehn Jahre alt sein könnten. Das Unternehmen versprach: "Wir werden entsprechende Fahrzeuge fortlaufend durch neuere ersetzen."

Polizei erklärt sich für nicht zuständig

Während ihrer als Odyssee beschriebenen Fahrt verständigten Senff und Küstermann auch die Polizei, die sich nach Aussagen der beiden Schweriner jedoch für nicht zuständig erklärte. Die Männer wollen nun prüfen, welche Rechte sie als Fahrgäste haben und sich gegebenenfalls für diese Busfahrt entschädigen lassen.

Die Redaktion des Nordkuriers übermittelte Ecovista am Dienstagabend einen detaillierten Fragenkatalog zu den Schilderungen der beiden Fahrgäste. Die Antwort des Unternehmens wird veröffentlicht, sobald sie vorliegt.

Die Situation zeigt deutlich die Herausforderungen im Schienenersatzverkehr und wirft Fragen nach der Qualitätskontrolle bei Subunternehmen der Deutschen Bahn auf. Fahrgäste in Mecklenburg-Vorpommern müssen weiterhin mit ungewissen Bedingungen im öffentlichen Nahverkehr rechnen.

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