Schwesigs Wutrede: Ministerpräsidentin attackiert maroden Schienenersatzverkehr
Der Schienenersatzverkehr zwischen Berlin und Hamburg sorgt nicht nur bei zehntausenden Pendlerinnen und Pendlern für Frust – nun hat auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) mit ungewöhnlich deutlichen Worten reagiert. Die SPD-Politikerin rechnete in einem Interview mit dem Nordkurier scharf mit dem Busunternehmen Ecovista ab, das für den Ersatzverkehr verantwortlich ist.
Verzögerte Bahnsanierung und chaotischer Ersatzverkehr
Die Situation spitzt sich zu, während die Deutsche Bahn am Freitag, den 13. März 2026, eine wichtige Entscheidung verkünden will. Ursprünglich sollte die Generalsanierung der seit sieben Monaten vollgesperrten Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg bis zum 30. April abgeschlossen sein. Anfang Februar musste die Bahn jedoch einräumen, dass die Arbeiten nicht termingerecht erledigt werden konnten. Aus Bahnkreisen war zunächst von einer Verzögerung von „Wochen nicht von Monaten“ die Rede.
Unabhängig von dieser verlängerten Vollsperrung herrscht im Schienenersatzverkehr Chaos. Das Busunternehmen Ecovista, das von der Deutschen Bahn mit der Durchführung beauftragt wurde, musste kurzfristig seine gesamte Flotte von rund 200 Bussen austauschen. Grund war ein Streit um Leasing- und Mietverträge mit dem Kapitalgeber der Busflotte. Dies führte zu massiven Ausfällen von Busfahrten und erheblichen Beeinträchtigungen für die Pendler.
Schwesig: „Das ist eine Zumutung für unsere Pendler“
In ungewöhnlich scharfer Form kritisierte Ministerpräsidentin Schwesig die Zustände. „Das ist eine Zumutung für unsere Pendlerinnen und Pendler. Es geht nicht, dass Ecovista sich erst um einen solchen Auftrag bewirbt und dann nicht ordnungsgemäß abliefert“, sagte die SPD-Politikerin. Sie betonte, dass die Landesregierung in Schwerin im engen Austausch mit der Deutschen Bahn stehe, um eine Lösung zu finden.
Die Chefin des rot-roten Landeskabinetts forderte nachdrücklich: „Insbesondere die Pendlerinnen und Pendler brauchen einen funktionierenden Ersatzverkehr. Es muss sichergestellt sein, dass er ausreichend, pünktlich und barrierearm ist und dass alle Standards eingehalten werden.“
Mangelhafte Busausstattung und verzögerte Lohnzahlungen
Die Probleme bei Ecovista gehen jedoch weit über die organisatorischen Schwierigkeiten hinaus. Das Unternehmen hielt den vertraglich vereinbarten Qualitätsstandard für die Busausstattung nicht ein. Teilweise waren Busse mit verschimmelten Sitzen und abgefahrenen Reifen im Einsatz, was erhebliche Sicherheitsbedenken aufwirft.
Zusätzlich liegt Ecovista nicht nur mit seinem Kapitalgeber und der Deutschen Bahn im Clinch, sondern hatte auch vorübergehend Probleme mit den Lohnzahlungen an seine Mitarbeiter. Diese Information dürfte der Sozialdemokratin Schwesig besonders schwer im Magen liegen, da sie die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten kritisch sieht.
Die politische Reaktion auf die Missstände blieb in den vergangenen Wochen und Monaten größtenteils dezent zurückhaltend. Doch mit Schwesigs deutlicher Kritik erhält das Busunternehmen mit Sitz in Augsburg nun auch aus der Politik massiven Druck. Die Ministerpräsidentin machte klar, dass sie die Situation nicht länger hinnehmen wird und eine schnelle Verbesserung des Ersatzverkehrs fordert.



