Schwesig warnt Kanzler vor Russen-Tanker: Gefahr für Rügen und Ostsee
In einem eindringlichen Brief an den Bundeskanzler hat die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, vor den erheblichen Risiken des havarierten russischen Öltankers "Eventin" gewarnt, der seit über einem Jahr in Sichtweite der Küste Rügens in der Ostsee liegt. Die rot-rote Landesregierung unter Schwesig setzt sich seit Monaten für eine Verlegung des Schiffes aus der sensiblen Urlaubsregion ein, um mögliche Umweltkatastrophen zu verhindern.
Gefahrgutreede vor Rügen: Ein tickender Zeitbombe
Seit der Nacht vom 10. auf den 11. Januar des vergangenen Jahres liegt der über 20 Jahre alte und rund 270 Meter lange Tanker der russischen Schattenflotte mit etwa 100.000 Tonnen Öl an Bord vor Rügen. Aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Horst Förster geht hervor, dass von diesem Schiff erhebliche Risiken ausgehen. Die Regierung betont, dass "von dem Tanker 'Eventin' und von seiner Ladung ein nicht unerhebliches Risiko für den Eintritt eines Schadensereignisses ausgeht".
Das Schiff befindet sich in einem hochsensiblen Bereich der Ostsee und des Greifswalder Boddens, wo ein mögliches Schadensereignis jeglicher Art massive Auswirkungen auf die wertvollen Lebens- und Naturräume der Ostseeküste, die Schutzgebiete sowie den Tourismus des Landes Mecklenburg-Vorpommern hätte. Die Landesregierung weist darauf hin, dass der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern großen Schaden nehmen könnte, sollte es zu einem Unfall kommen.
Brief an den Kanzler: Dringende Appelle für eine Verlegung
Am 18. September 2025 wandten sich Ministerpräsidentin Schwesig und Stefan Kerth, der parteilose Landrat des Landkreises Vorpommern-Rügen, in einem gemeinsamen Brief an den Bundeskanzler. Darin wiesen sie eindringlich auf die möglichen Gefahren für die Bürger, die Umwelt und die Wirtschaft von Rügen und der Küste Mecklenburg-Vorpommerns hin, die durch den Tanker "Eventin" angesichts des nahenden Herbstes und seiner möglichen Starkwind- und Sturmlagen ausgehen.
"Der Bund wurde gebeten, alles ihm Mögliche zu veranlassen, dass das Schiff die Gewässer vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns umgehend verlässt", heißt es in der offiziellen Antwort der Regierung. Bereits am 14. August 2025 hatte der Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, Till Backhaus, ein Telefonat mit dem Staatssekretär des Bundesministeriums der Finanzen geführt, um vor der Sturmwettersaison eine Verlegung des Tankers aus Sicherheitsgründen anzuregen.
Bundesbehörden sehen keine Alternative
In einem Antwortschreiben vom 1. September 2025 wurde nach Prüfung des Anliegens durch die Bundesbehörden dargelegt, dass es in Deutschland keinen geeigneten Hafen und keine andere geeignete Reede für eine Verlegung gebe. Zudem sprächen weitere sicherheitspolitische Erwägungen gegen ein damit notwendig werdendes Verlassen der deutschen Hoheitsgewässer. Die Bundesbehörden argumentierten, dass die Lage des Tankers "Eventin" auf der Gefahrgutreede vor Rügen auch angesichts üblicher Sturmwetterlagen vorzugswürdig sei.
Doch damit gab sich die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern nicht zufrieden. Sie betont, dass das Schiff seit mehr als einem Jahr in einem kritischen Bereich liegt und setzt sich weiterhin dafür ein, eine Verlegung des Schiffes in einen Hafen außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern zu erreichen, um jedes Restrisiko auszuschließen.
Rechtsstreit zwischen Zollbehörden und Schiffseigner
Aktuell tobt um die "Eventin" zwischen deutschen Zollbehörden und dem Schiffseigner ein heftiger Rechtsstreit, der noch Monate andauern könnte. Dieser Konflikt verzögert mögliche Lösungen und erhöht die Unsicherheit für die Region. Die Landesregierung bleibt jedoch bei ihrer Forderung, dass der Bund alle notwendigen Maßnahmen ergreifen muss, um die Gefahr für die Ostsee und ihre Anrainer zu beseitigen.
Die Situation verdeutlicht die komplexen Herausforderungen im Umgang mit havarierten Schiffen in sensiblen maritimen Gebieten und unterstreicht die Dringlichkeit einer koordinierten Antwort von Landes- und Bundesebene zum Schutz von Umwelt und Wirtschaft.



