Bad Doberans Schwimmbad-Traum geplatzt: Bürgermeister kritisiert Landesregierung scharf
Der langgehegte Traum von einem neuen Schwimmbad in Bad Doberan ist endgültig geplatzt. Bürgermeister Jochen Arenz (parteilos) musste das ambitionierte Projekt aufgrund explodierter Kosten, fehlender Förderung und hoher Zinsen absagen. In einer emotionalen Stellungnahme übte er zudem deutliche Kritik an der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommens.
Explodierte Kosten machen Bau unmöglich
Über Facebook teilte Arenz die Ergebnisse einer bereits im September 2024 beauftragten Machbarkeitsstudie mit. Die Zahlen sind eindeutig: Ein neues Schwimmbad für Bad Doberan ist schlichtweg zu teuer geworden. Der Bürgermeister rechnete vor: „Unser ganzer Haushalt beträgt vierundzwanzig Millionen Euro. Alleine der Bau des Schwimmbads würde einundzwanzig Millionen kosten.“
Dabei hatte die geplante Schwimmhalle die Bad-Lücke zwischen Wismar und Rostock schließen und moderne Freizeit- sowie Sportmöglichkeiten in der Region bieten sollen. Selbst für Bad Doberan, das seit letztem Jahr zu den wenigen schuldenfreien Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern zählt und sogar acht Millionen Euro Plus auf dem Konto hat, ist das Vorhaben nicht mehr realisierbar.
Betrieb würde jährlich Millionenverlust bringen
Arenz legte detaillierte Berechnungen vor, die das Ausmaß des finanziellen Desasters zeigen:
- Das Betriebsergebnis läge jährlich bei etwa minus 750.000 Euro
- Dazu kommen Abschreibungen von circa 650.000 Euro pro Jahr
- Die Zinsbelastung würde jährlich etwa 2,1 Millionen Euro betragen
- Selbst bei einer erwarteten Förderung von 50 Prozent bliebe ein Minus von circa 1,38 Millionen Euro
„Unter den jetzigen Bedingungen schätzen wir ein“, schreibt Arenz, „dass es trotz bester Voraussetzung für ein regionales Schwimmbad unmöglich ist, dass eine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern ein Schwimmbad bauen und betreiben kann.“
Scharfe Kritik an der Landesregierung
Besonders ärgert den Bürgermeister der Umgang des Landes mit dem Sondervermögen. Aus dem bereitgestellten Gesamtbetrag erhalten die Kommunen pauschal nur 50.000 Euro. Weitere Fördermittel für Projekte sind zwar verfügbar, müssen jedoch aufwändig beantragt werden.
„Das hat was mit mangelndem Vertrauen zu tun. Das ärgert mich ungemein“, moniert Arenz. Er kritisiert, dass dieses System weder transparent noch fair sei. Die Kommunen vor Ort wüssten am besten, wie Gelder sinnvoll eingesetzt werden müssten. „Stattdessen müssen wir jetzt wieder Förderanträge stellen“, sagt er und fragt provokant: „Warum eigentlich?“
Kommunen werden zum Stillstand gezwungen
Arenz warnt vor den Folgen der aktuellen Politik: „Wir verwalten bald nur noch die Armut.“ Er führt mehrere Gründe für die angespannte finanzielle Situation der Kommunen an:
- Hohe Kosten durch beitragsfreie Kitas
- Gestiegene Personalausgaben im öffentlichen Dienst
- Die „explodierte“ Kreisumlage
Besonders zur Finanzierung der beitragsfreien Kita-Plätze äußert er sich deutlich: „Ich bin auch für eine beitragsfreie Kita, aber da muss derjenige, der die bestellt, sie auch bezahlen. Und das waren nicht wir.“
Trotz des nun abgelassenen Schwimmbad-Plans droht selbst in der bisher finanziell soliden Kommune Bad Doberan ein Minus im Stadtsäckel. Die Hoffnung auf ein modernes Schwimmbad für die Region zwischen Wismar und Rostock ist damit vorerst begraben.



