Stavenhagen: Wochenmarkt-Verpachtung sorgt für Konflikt zwischen Stadt und Händlern
Stavenhagen: Streit um Zukunft des Wochenmarktes

Stavenhagen: Wochenmarkt-Verpachtung sorgt für Konflikt zwischen Stadt und Händlern

In der Reuterstadt Stavenhagen entzündet sich ein kontroverser Streit um die Zukunft des örtlichen Wochenmarktes. Die Stadtverwaltung prüft aktuell, die Organisation der traditionellen Markttage an einen externen Betreiber zu übertragen. Konkret steht die Deutsche Marktgilde als potenzieller Partner im Fokus. Stadtvertreter erhoffen sich davon eine Belebung des Marktgeschehens und eine Steigerung der Attraktivität für Besucher.

Händler warnen vor negativen Folgen einer Verpachtung

Die ansässigen Markthändler zeigen sich jedoch äußerst skeptisch gegenüber diesen Plänen. Mehrere Standbetreiber äußerten in Gesprächen massive Bedenken. Sie befürchten, dass eine Übernahme durch die Marktgilde zu deutlich erhöhten Standgebühren führen könnte. „Wenn die Gilde hierherkommt, dann ist die Hälfte der Händler weg“, prophezeit ein besorgter Marktverkäufer. Er malt ein düsteres Bild: „Dann ist die Stadt tot.“

Diese Befürchtungen teilen auch andere etablierte Händler. Silke Damitz von der Bäckerei „Storchennest“ aus Altentreptow und Pflanzenhändler Wolfgang Fürstenau aus Malchin sprechen sich deutlich gegen eine Übertragung an die Deutsche Marktgilde aus. Fürstenau bezweifelt zudem, ob dieses Vorhaben überhaupt eine sinnvolle Sparmaßnahme für die Stadt darstellt, da sie damit potenzielle Einnahmen aus den Marktgebühren verlieren würde.

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Bisherige Organisation durch die Stadt findet Zustimmung

Georg Reckzeh von den Peenefischern aus Salem lobt die aktuelle Situation: „Hier macht es das Ordnungsamt, alles ist schön geregelt. Hier haben wir unseren Ansprechpartner.“ Die derzeitige Verwaltung durch die Stadtbehörden scheint bei den Händlern auf breite Akzeptanz zu stoßen. Ein weiterer Standbetreiber merkt an, dass neue Verkäufer nur durch entgegenkommende Gebühren angelockt werden könnten. Ansonsten drohe ein kurzfristiges Kommen und Gehen.

Stadt sucht nach Lösungen für belebtes Markttreiben

Ordnungsamtsleiterin Anja Vonthien bestätigte, dass die Verwaltung bereits Kontakt mit der Deutschen Marktgilde aufgenommen hat. Die Gilde wirbt für sich als neutraler Dienstleister, der attraktive und lebhafte Wochenmärkte organisiert und sich für die Belebung von Innenstädten engagiert. Stadtvertreter Alexander Krafzik von der UFS erhofft sich durch eine externe Betreuung Synergieeffekte, die mehr Händler in die Stadt locken und die Lebensqualität steigern sollen.

Doch nicht alle Politiker teilen diese optimistische Einschätzung. Edgar Golisch von den Linken warnt davor, die langjährigen Händler zu vergraulen: „Wir sollten die halten, die seit Jahren da sind.“ Die Stadtverwaltung hat bis zur nächsten Stadtvertretersitzung Zeit, alternative Optionen zur Marktgilde zu prüfen und konkrete Konditionen vorzulegen.

Vergleich mit Nachbarstädten zeigt gemischte Bilanz

Interessant ist der Blick in die Nachbarstädte: In Demmin und Pasewalk haben sich die Kommunen bereits von der Marktgilde getrennt und organisieren ihre Wochenmärkte wieder in Eigenregie. In Demmin laufe es seitdem deutlich besser, berichten Marktkenner, mit vier bis fünf zusätzlichen Frischehändlern. In Malchin dagegen, wo die Marktgilde aktuell den Wochenmarkt betreibt, boten an einem vergangenen Freitag immerhin 16 Händler ihre Waren an.

In Stavenhagen selbst waren am letzten Donnerstag lediglich sieben Standbetreiber vor Ort. Dabei hatte die Stadt vor zwei Jahren mit Kunst- und Regionalmärkten im Frühjahr und Herbst gezeigt, wie belebt das Marktleben sein kann. Damals, als Stavenhagen noch eine Citymanagerin beschäftigte, kamen bis zu 25 Aussteller zusammen. Seit ihrem Weggang ist diese Dynamik jedoch deutlich abgeflaut.

Die Entscheidung über die Zukunft des Stavenhagener Wochenmarktes steht noch aus. Klar ist jedoch: Die Diskussion hat tiefe Gräben zwischen Stadtverwaltung und Markthändlern aufgerissen. Beide Seiten müssen nun einen Kompromiss finden, der sowohl die wirtschaftlichen Interessen der Standbetreiber als auch das städtische Ziel einer attraktiveren Innenstadt berücksichtigt.

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