Taxi-Protest in Schwerin: Hunderte Krankenfahrten fallen aus – Tarifkonflikt eskaliert
Der Konflikt um höhere Fahrgelder für Krankenfahrten in Mecklenburg-Vorpommern hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Mittwochmorgen starteten etwa 200 Taxiunternehmen eine lautstarke Protestfahrt durch Schwerin, um gegen die von den Krankenkassen gezahlten Dumping-Tarife für Krankentransporte zu demonstrieren. Als Folge dieser Aktion ließen sie schätzungsweise bis zu 2000 Krankenfahrten ausfallen, was den seit Monaten schwelenden Streit um neue Fahrtarife weiter verschärft. Eine Einigung zwischen den Parteien ist bislang nicht in Sicht.
Protestfahrt legt Innenstadt lahm
Zu dem ersten Aktionstag kamen mehr Taxiunternehmen als erwartet, die sich aus allen Landesteilen wie Stralsund, Anklam, Rostock und Schwerin auf den Weg gemacht hatten. Begleitet von etwa einem Dutzend Polizeifahrzeugen führten sie eine rund zweistündige Protestfahrt durch die Stadt. Im morgendlichen Verkehr kam es an Kreuzungen in der Innenstadt zu kurzzeitigen Staus, was die Aufmerksamkeit auf die Anliegen der Taxifahrer lenkte.
Guido Sembach, der Chef des Landesverbandes des Taxi- und Mietwagengewerbes MV, erklärte, dass vorerst keine weiteren Aktionstage geplant seien. Allerdings müssen Patienten in den kommenden Tagen mit weiteren Ausfällen von Krankenfahrten rechnen, etwa für Fahrten zur Dialyse, Chemotherapie oder ins Krankenhaus. Grund dafür ist die fehlende Abrechnungsgrundlage, die hunderte Taxiunternehmen daran hindert, solche Dienste anzubieten.
Auswirkungen auf Patienten und Unternehmen
Sembach betonte, dass den Unternehmern angesichts der Auswirkungen für viele Patienten „das Herz blutet“, und bat gleichzeitig um Verständnis. Die aktuellen Fahrtarife seien nicht auskömmlich, sodass die Taxiunternehmen im Land wirtschaftlich nicht überleben könnten. Allerdings werden Fahrten zu normalen Taxitarifen weiterhin angeboten. Die Krankenkassen hatten zuvor angekündigt, dass Betroffene die Kosten dafür zumindest anteilig erstattet bekommen könnten.
Im Vorfeld des Protests hatten die Krankenkassen eigenen Angaben zufolge etwa 200 kleineren Taxiunternehmen Einzelverträge angeboten, um ausfallende Krankenfahrten umzuleiten. Während des Aktionstages berichteten Taxiunternehmen jedoch, dass vermehrt Krankentransporte zum Einsatz kommen sollen, was die Situation weiter verkompliziert. Der Konflikt bleibt damit ungelöst und belastet sowohl die Taxibranche als auch die Patienten in der Region.



