THW in Vorpommern: Ehrenamtliche Helfer im Dauereinsatz gegen Überschwemmungen
THW-Helfer in Vorpommern bewältigen 56-Stunden-Einsatz

THW in Vorpommern: Unverzichtbare Helfer bei Naturkatastrophen

Im Ernstfall sind sie zur Stelle: Das Technische Hilfswerk (THW) stellt sich mit ehrenamtlichen Kräften und Spezialtechnik dem Katastrophenschutz. In Vorpommern bewältigten die Helfer zuletzt einen anstrengenden 56-stündigen Dauereinsatz, um die Folgen von Überschwemmungen nach dem Eis-Winter in den Griff zu bekommen. Doch wie funktioniert diese wichtige Organisation eigentlich?

88.000 Ehrenamtliche im bundesweiten Netzwerk

Seit 1950 leistet das THW technische Hilfe im In- und Ausland. Deutschlandweit engagieren sich rund 88.000 Helfer in 668 Ortsverbänden. In Vorpommern existieren fünf dieser Einheiten: in Bergen auf Rügen, Greifswald, Barth, Wolgast und Pasewalk. Frank Hasche, 46 Jahre alt, fungiert als Zugführer des Ortsverbandes Wolgast und verantwortet bei Einsätzen seine etwa 25-köpfige Truppe.

„Jeder nicht gefahrene Einsatz ist ein guter Einsatz“, betont Hasche nachdrücklich. Seine Philosophie erklärt er so: „Wenn wir nicht rausfahren müssen, dann ist auch nichts Schlimmes passiert.“ Leider entspricht dieser Wunsch nicht immer der Realität, wie die jüngsten Ereignisse zeigten.

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56 Stunden im Kampf gegen die Wassermassen

Der plötzliche Tauwinter ließ Eis auf Feldern, Bächen und Tümpeln schmelzen und setzte Teile des Landkreises unter Wasser. „Das war schon hart“, erinnert sich Hasche. Etwa 20 Kameraden waren 56 Stunden im ununterbrochenen Einsatz. Unterstützung erhielten sie durch Pumpen von THW-Ortsverbänden aus Hamburg und Schleswig-Holstein, die bis zu 25.000 Liter pro Minute bewältigen können.

Ein großer Vorteil des THW liegt in der flexiblen Technikverteilung. „Wir teilen uns die Technik“, erklärt Hasche. Im Gegensatz zu Feuerwehren, die fest an ihr eigenes Equipment gebunden sind, funktioniert das THW wie ein Baukastensystem. Jede Ortsgruppe verfügt über spezielle Ausrüstung, die deutschlandweit nur vier- oder fünfmal existiert.

Baukastenprinzip und enge Zusammenarbeit

„Und wenn die Kameraden abrücken müssen oder Pause machen, dann geben sie mir auf gut Deutsch einfach den Schlüssel und wir machen mit ihrer Technik hier vor Ort weiter“, beschreibt Hasche das praktische Vorgehen. Diese Arbeitsweise unterscheidet sich deutlich von der der Feuerwehr. Dennoch liegt dem Zugführer eine gute Kooperation mit den Blaulichtorganisationen besonders am Herzen.

„Wir werden in erster Linie von den Feuerwehren angefordert“, betont Hasche. „Und wenn wir dazu kommen, dann hat auch immer die Feuerwehr das Kommando.“ Wichtig sei ihm, dass nicht der Eindruck entstehe, das THW wolle der Feuerwehr etwas wegnehmen.

Wünsche für die Zukunft des Ehrenamtes

Bei der Frage nach Verbesserungen für das Ehrenamt muss Hasche nicht lange überlegen: Rentenpunkte, die angerechnet werden. Seine eigenen Kinder, 11 und 16 Jahre alt, sind bereits beim THW aktiv. „Nicht jeder kann 1000 Euro pro Jahr vom Staat für das Ehrenamt geschenkt bekommen, aber Rentenpunkte für unsere geopferte Arbeitszeit fände ich sehr fair“, argumentiert er.

Trotz dieser offenen Forderung steht für Hasche außer Frage, sein Engagement zu beenden. „Ich habe damals einen Eid geleistet, der Bundesrepublik zu helfen, und das werde ich auch erfüllen. Ganz egal, wie hart es manchmal ist.“ In der Corona-Zeit erhielt das vorpommersche THW vom Bund neue Fahrzeuge und Ausrüstung – eine wichtige Investition in die Zukunft der Katastrophenhilfe.

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