Nach über 100 Jahren: Traditionsladen in Gadebusch schließt endgültig – Nachfolgeproblem ungelöst
Traditionsladen in Gadebusch schließt nach 100 Jahren

Ein Jahrhundert endet: Papierwarenladen Schäffer in Gadebusch schließt nach über 100 Jahren

In der Gadebuscher Steinstraße hat eine Ära ihr Ende gefunden. Der traditionsreiche Papierwarenladen Schäffer, der seit mehr als einem Jahrhundert Schreibwaren, Bastelmaterial und Geschenkartikel führte, hat am 1. März 2026 endgültig seine Türen geschlossen. Inhaberin Gabriele Borgward, die das Geschäft fast vier Jahrzehnte lang leitete, konnte trotz langjähriger Bemühungen keinen Nachfolger finden, was das Aus für den ältesten Laden Gadebuschs besiegelte.

Fast 40 Jahre Führung und eine vergebliche Nachfolgersuche

Gabriele Borgward stieg bereits 1987 in den Familienbetrieb ein und übernahm kurz vor der Wende 1989 die Geschäftsführung von ihren Eltern Leo und Editha Schäffer. „Ich habe ja schon seit Jahren daran gedacht, das Geschäft zu schließen, aber irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt gekommen. Jetzt empfinde ich es als richtig“, erklärte die Gadebuscherin. Die Suche nach einer Person, die das Erbe antreten würde, blieb jedoch erfolglos. „Ich hatte gedacht, ich finde einen Nachfolger, aber mögliche Personen haben dann einen anderen Lebensweg beschritten und so ist das Aus nun endgültig.“

Einzigartiger Fundus in Mecklenburg-Vorpommern

Der Papierwarenladen Schäffer galt als einzigartiger Fundus in der Region Mecklenburg-Vorpommern. Wer Material zum Schulanfang, Geburtstagskarten oder Bastelbedarf suchte, wusste genau, wo er in Gadebusch fündig wurde. Die Geschichte des Geschäfts reicht bis ins Jahr 1880 zurück, als der Urgroßvater von Gabriele Borgward die benachbarte Druckerei gründete. In den folgenden Jahren wurden die Druckerzeugnisse auch in einem kleinen Verkaufsraum angeboten, den ab 1950 Borgwards Eltern übernahmen und bis kurz vor der Wende führten.

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1994 erfolgte eine Vergrößerung des Ladens, nachdem Besitzklärungen einen Anbau im hinteren Bereich des Gebäudes ermöglichten. Kundin Dana Richter aus Klein Hundorf betonte die besondere Atmosphäre: „In diesem Geschäft konnte man einfach alles kaufen, was es um das Thema Schule gab. Vor allem war es noch eine fachkundige und persönliche Beratung und deshalb kaufte ich immer hier, statt im Internet.“ Am letzten Öffnungstag überreichte sie der Inhaberin einen Blumenstrauß und dankte für die jahrelange Kundenfreundlichkeit.

Herausforderung beim Ausräumen des umfangreichen Inventars

Während die 1880 gegründete Druckerei Schäffer in der Steinstraße von Peter Schäffer weitergeführt wird, steht im Papierwarenladen nun das schwierige Ausräumen an. „Es ist so viel Material in den Jahren zusammengekommen, dass ich sehen muss, wie das alles wegkommt“, schilderte Borgward das Problem. Ein Teil des Inventars wurde bereits an karitative Einrichtungen gespendet, andere Artikel sollen an Händler abgegeben werden. Was mit dem Rest geschieht, ist jedoch noch unklar.

Trotz dieser Herausforderung blickt Gabriele Borgward positiv in die Zukunft und freut sich auf den Ruhestand. Die Schließung markiert nicht nur das Ende eines Familienbetriebs, sondern auch den Verlust eines Stücks lokaler Identität, wie Kundin Dana Richter bedauernd anmerkte: „Es wäre schön, wenn es solche Geschäfte wieder mehr geben würde. Aber meiner Meinung nach hat die Politik solche Sachen kaputt gemacht.“

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