Neuer Rettungsversuch für gestrandeten Buckelwal
Der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal soll mit einem speziellen Transportkahn tagelang bis in die Nordsee geschleppt werden. Dies gab der technische Leiter der privaten Rettungsinitiative, Felix Bohnsack, am Abend vor Journalisten in Kirchdorf bekannt. Der Plan sieht vor, das Tier in dreieinhalb Tagen an Fehmarn vorbei bis zur mehr als 400 Kilometer entfernten Nordsee bei Skagen zu bringen. Dort werde man den Zustand des Wals bewerten und prüfen, wie er die Reise überstanden hat, so Bohnsack.
Grünes Licht aus dem Umweltministerium
Das Konzept der privaten Initiative hat inzwischen die Zustimmung des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern erhalten. Minister Till Backhaus (SPD) erklärte am Samstag im Hafen von Kirchdorf, dass das Vorhaben geduldet werde, die Verantwortung jedoch weiterhin bei der Initiative liege. Nach Einschätzung der beteiligten Kleintierärztinnen sei das Tier transportfähig.
Details zum Transportplan
Der zwölf Tonnen schwere Walbulle soll mit einer sogenannten Barge, einem Lastkahn, transportiert werden. Die Kleintierärztin Kirsten Tönnies gab an, dass die Initiative davon ausgeht, der Transport könne zwischen Dienstag und Mittwoch starten. Derzeit befindet sich die Barge noch nicht vor Poel; am Samstagabend lag sie bei Hamburg. Sie soll am Sonntag in Poel eintreffen und dort für den Transport umgebaut werden.
Eine mehr als 100 Meter lange Rinne wurde bereits ausgebaggert und soll weitgehend fertig sein, wie das Team am Samstagmorgen mitteilte. Der vier bis sechs Jahre alte Wal soll durch diese Rinne auf den absenkbaren Kahn gelotst werden.
Herausforderungen und Risiken
Sollte der Wal selbstständig losschwimmen oder nicht auf den Kahn gehen wollen, ist ein bereits befestigter Tracker vorgesehen, um seine Position zu verfolgen. Allerdings funktioniert dieser Tracker nicht unter Wasser, wie Backhaus einräumte. Sollte der Wal abtauchen oder ertrinken, wäre er nicht mehr zu orten. An einer neuen Lösung werde gearbeitet, so der Minister.
Am Vormittag wurden rund 40 mit Sand gefüllte Big Bags verladen und mit einem Schwimmponton in die Kirchsee-Bucht gebracht. Sie sollen als Barriere verhindern, dass der Wal bei steigenden Wasserständen weiter in die Flachwasserzone vordringt. Am Sonntag wurden höhere Wasserstände erwartet. Bereits am vergangenen Montag war das Tier bei steigendem Wasser plötzlich davongeschwommen.
Hintergrund: 50 Tage in der Ostsee
Der Buckelwal wurde Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet: Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf. In den mehr als 50 Tagen seither lag er zu deutlich mehr als der Hälfte der Zeit in Flachwasserzonen. Experten vermuten, dass er diese gezielt aufgesucht haben könnte, um aufgrund einer schweren Erkrankung Ruhe zu finden.



