Vom Rampenlicht hinter Gitter: TV-Stars in Mecklenburg-Vorpommerns Gefängnissen
In Mecklenburg-Vorpommern existieren vier Justizvollzugsanstalten mit insgesamt über 1300 Haftplätzen, die sich in Neustrelitz, Bützow, Waldeck und Stralsund befinden. Überraschend ist, dass auch bekannte Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen in diesen Einrichtungen ihre Haftstrafen verbüßt haben. Prominente wie der Schauspieler Martin Semmelrogge, der Entertainer Karsten Speck und der Ex-Moderator Marcus Japke mussten den Knastalltag im Nordosten Deutschlands am eigenen Leib erfahren.
Keine Sonderbehandlung für Prominente
Laut Tilo Stolpe vom Justizministerium in Schwerin erhielten die drei TV-Stars trotz ihrer Bekanntheit beim Millionenpublikum keinerlei Extrabehandlung während ihrer Haftzeit. Die Gefängnisse in Mecklenburg-Vorpommern behandeln alle Insassen gleich, unabhängig von ihrem gesellschaftlichen Status oder ihrer medialen Präsenz. Doch wie kamen diese Berühmtheiten überhaupt mit dem Gesetz in Konflikt und landeten hinter Gittern?
Martin Semmelrogge: Haft wegen Führerscheinvergehen
Der Schauspieler Martin Semmelrogge trat im Jahr 2019 eine achtmonatige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Waldeck bei Dummerstorf im Landkreis Rostock an. Der Grund: Er war beim Fahren ohne gültigen Führerschein erwischt worden. Obwohl Semmelrogge eine spanische Fahrerlaubnis vorweisen konnte, wurde diese vom Richter nicht anerkannt. Zudem attestierte ihm das Gericht eine ungünstige Sozialprognose, da er bereits mehrfach wegen Verkehrsdelikten auffällig geworden war.
Da der Schauspieler zu diesem Zeitpunkt seinen Wohnsitz in einer mecklenburg-vorpommerschen Kommune hatte, konnte er seine Strafe in Waldeck absitzen. Heute lebt Semmelrogge zurückgezogen auf Mallorca, moderiert eine eigene Radioshow und beteiligt sich gelegentlich an Theater- oder Filmprojekten.
Karsten Speck: Betrug und Steuerhinterziehung
In derselben Haftanstalt wie Semmelrogge saß auch Karsten Speck ein, der vielen noch aus der DDR-Zeit bekannt sein dürfte. Sein Vergehen wog jedoch deutlich schwerer: Um den Jahreswechsel 2010/2011 musste er wegen Betrugs und Steuerhinterziehung ins Gefängnis. Speck hatte zwischen 2002 und 2007 in fünf Fällen Betrug begangen. Im September 2011 konnte er die Haftanstalt wieder verlassen und sich erneut seiner Schauspielkarriere widmen.
Heute ist Karsten Speck weiterhin als Schauspieler aktiv und spielt seit 2024 in der Serie „Die Spreewaldklinik“ bei einem bekannten TV-Sender. Nach einem freiwilligen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik im Jahr 2022 teilt er seine Erfahrungen aus gesundheitlichen Krisen auch öffentlich mit.
Marcus Japke: Manipulierte Gewinnspiele und Kindesmissbrauch
Marcus Japke, ehemaliger Moderator des Radiosenders „Ostseewelle“, machte 2017 ebenfalls Bekanntschaft mit der Gefängnisanstalt Waldeck. Fünf Jahre Haft erhielt er wegen Betrugs und betrügerischen Bankrotts. Japke hatte mithilfe eines Bekannten Gewinnspiele bei dem norddeutschen Radiosender manipuliert, bei dem er angestellt war. Der Schaden belief sich auf 61.000 Euro, die er und sein Komplize aus dem Betrug erbeuteten.
Japke versuchte, gegen das Urteil vorzugehen, scheiterte jedoch vor dem Berufungsgericht. Von der festgesetzten Haftzeit von fünf Jahren verbrachte er nur eine Restzeit von zwei Jahren und vier Monaten, genau 845 Tage, in Waldeck. Bereits im November 2012 war Japke wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden. Ob er heute noch in der Medienbranche tätig ist, bleibt unbekannt.
Diese Fälle zeigen, dass auch Prominente nicht vor den Konsequenzen ihrer Handlungen gefeit sind und in Mecklenburg-Vorpommerns Gefängnissen den gleichen Haftalltag erleben wie jeder andere Insasse.



