Beitragsfreie Kita in MV: Überwältigende Zustimmung in der Bevölkerung
Was in politischen Kreisen durchaus kontrovers diskutiert wird, stößt in der breiten Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns auf breite Zustimmung. Eine aktuelle landesweite Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA Consulere im Auftrag des Nordkuriers belegt eindrucksvoll, dass die beitragsfreie Kinderbetreuung – das Prestigeprojekt von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig – von einer deutlichen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger unterstützt wird.
86 Prozent befürworten die kostenlose Kinderbetreuung
Die Umfrageergebnisse zeigen ein klares Bild: 86 Prozent der Befragten finden es eher (18 Prozent) oder sehr gut (68 Prozent), dass in Mecklenburg-Vorpommern Kitaplätze für Familien grundsätzlich kostenlos angeboten werden. Die Kritiker bilden dagegen eine verschwindend kleine Minderheit: Gerade einmal fünf Prozent finden die Regelung eher schlecht und lediglich drei Prozent halten sie für sehr schlecht. Weitere drei Prozent gaben an, dass ihnen die beitragsfreie Kita gleichgültig ist.
Seit 2020 zahlen Familien im Nordosten für die Betreuung ihrer Kinder in Krippe, Kita und Hort keine Elternbeiträge mehr, sondern lediglich das Essensgeld. Diese Regelung bedeutet für Eltern eine erhebliche finanzielle Entlastung: Im Durchschnitt sparen sie etwa 18.000 Euro pro Kind, von der Krippe bis zum Hort. Die SPD feiert diese Maßnahme als eine der wichtigsten sozialpolitischen Entscheidungen im Land und als bedeutenden Beitrag zur Chancengleichheit für alle Kinder.
Überraschende Zustimmung bei FDP-Wählern
Die hohen Zustimmungswerte ziehen sich durch nahezu alle Wählergruppen, wobei ein besonders interessantes Detail auffällt: Am meisten Anklang findet diese sozialpolitische Maßnahme ausgerechnet bei Wählern der FDP. Ganze 97 Prozent von ihnen bewerten die Beitragsfreiheit positiv.
Die Anhänger der SPD, die das Projekt initiiert hat, liegen mit 92 Prozent Zustimmung erst auf Platz drei, noch hinter den Grünen-Wählern, von denen 93 Prozent die Maßnahme begrüßen. Nahezu gleichauf in der Einschätzung sind Wähler von Linker und AfD: 87 Prozent der Anhänger der kleineren Regierungspartei und 86 Prozent der Wähler der größten Oppositionspartei sagen Ja zur Beitragsfreiheit.
Die meisten Kritiker finden sich unter den CDU-Wählern: 28 Prozent von ihnen finden es nicht gut, dass Kitaplätze grundsätzlich kostenlos angeboten werden. Verhältnismäßig hoch ist der Anteil der Ablehnenden auch in den Reihen der BSW-Wählerschaft, wo sich immerhin 17 Prozent gegen die Beitragsfreiheit aussprechen.
Milliardenschwere Kosten und kommunale Kritik
Die Kehrseite der Medaille sind die stetig steigenden Kosten für die Kinderbetreuung. Land und Kommunen wenden inzwischen jährlich etwa eine Milliarde Euro für die beitragsfreie Kita auf – ein enormer Betrag, der immer wieder zu kontroversen Diskussionen führt.
Aus den Kommunen kommen regelmäßig Hilferufe, dass die Kosten sie erdrücken würden. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion kommentiert: „Wir haben die beitragsfreie Kita seinerzeit eingeführt, das war ein richtiger Schritt. Im Ergebnis war das eine Entlastung der arbeitenden Mitte und von Menschen mit überdurchschnittlichen Einkommen, Geringverdiener waren von der Beitragpflicht schon immer ausgenommen. Die beitragsfreie Kita ist für Land und Kommunen mit erheblichen Kosten verbunden und insbesondere das Land hat dies auf dem Rücken der kommunalen Ebene finanziert.“
Kritik aus Geberländern des Länderfinanzausgleichs
Zuletzt gab es auch kritische Stimmen aus anderen Bundesländern. Bayern und Hessen als zwei der Haupt-Geberländer im Länderfinanzausgleich rügten, dass Empfänger-Länder wie Mecklenburg-Vorpommern Geld für Maßnahmen wie die Beitragsfreiheit ausgeben würden, die sie sich selbst nicht leisten könnten.
Trotz dieser finanziellen und politischen Kontroversen zeigt die INSA-Umfrage deutlich: Die Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns steht mehrheitlich hinter der beitragsfreien Kita. Die Maßnahme, die Familien durchschnittlich 18.000 Euro pro Kind sparen lässt, hat sich als populäre sozialpolitische Entscheidung erwiesen, die quer durch alle politischen Lager Unterstützung findet – auch wenn die finanziellen Belastungen für Land und Kommunen weiterhin Anlass zu Diskussionen geben.



