Finanzielle Not verhindert Teilnahme an Klassenfahrten in Mecklenburg-Vorpommern
Die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern verzeichnen einen besorgniserregenden Trend: Immer mehr Einzelplatzbuchungen für Klassenfahrten und Jugendfreizeiten werden storniert, weil Familien die Kosten nicht aufbringen können. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Teilhabechancen junger Menschen im Nordosten Deutschlands.
14.350 Übernachtungen gingen verloren
Nach Angaben des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) gingen im Jahr 2025 insgesamt 14.350 Übernachtungen verloren, weil zwar Buchungen von Schulklassen oder Jugendvereinen bestehen blieben, die tatsächliche Teilnehmerzahl jedoch deutlich unter der ursprünglichen Planung lag. „Das entspricht etwa 3.500 Kindern und Jugendlichen, die zu Hause bleiben mussten, während ihre Mitschüler oder Gruppenmitglieder wertvolle soziale Erfahrungen sammeln konnten“, so der Verband.
Ohne diese zahlreichen Einzelplatzstornierungen hätte der DJH-Landesverband sogar ein leichtes Plus von etwa zwei Prozent bei den Übernachtungszahlen erzielen können. Tatsächlich verzeichneten die zwölf Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern jedoch insgesamt 253.965 Übernachtungen – das sind 8.000 weniger als im Vorjahr 2024 und entspricht einem Rückgang von drei Prozent.
Bildungsgerechtigkeit in Gefahr
Der Verband betont die zentrale Bedeutung von Klassenfahrten und Jugendfreizeiten für die persönliche Entwicklung junger Menschen. „Teilhabe darf keine Frage der finanziellen Möglichkeiten sein – sie ist Voraussetzung für Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, erklärt Kai-Michael Stybel, Vorstand des DJH-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern.
Neben den finanziellen Problemen vieler Familien identifiziert der Verband weitere Herausforderungen:
- Personal- und Finanzierungsprobleme bei Bildungs- und Jugendhilfestrukturen
- Fehlende Lehrkräfte oder Ehrenamtliche für die Betreuung
- Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Betreuungsbedarf
Erste positive Ansätze erkennbar
Trotz der alarmierenden Zahlen gibt es auch ermutigende Entwicklungen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat das Budget für Dienstreisekosten von Lehrkräften erhöht, was dazu beitragen soll, dass mehr Klassenfahrten genehmigt werden können. Diese Maßnahme könnte langfristig dazu beitragen, die Teilhabechancen für alle Schülerinnen und Schüler zu verbessern.
Die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern stehen vor der Herausforderung, trotz der finanziellen Engpässe vieler Familien weiterhin attraktive Bildungs- und Freizeitangebote zu unterbreiten. Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich, wie wichtig finanzielle Unterstützungssysteme für die Gewährleistung von Bildungsgerechtigkeit sind.



