Photovoltaik-Preise im Aufwärtstrend: Drohende Verteuerung für Solaranlagen
Wer aktuell über die Anschaffung einer Photovoltaikanlage nachdenkt, sollte mit der Entscheidung nicht allzu lange zögern. Denn die Preise für Solarmodule und Komponenten stehen vor einer spürbaren Verteuerung. Das Münchner Unternehmen 1komma5grad, ein Energieversorger aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, warnt vor steigenden Kosten, die bereits in naher Zukunft Verbraucher treffen könnten.
Chinas Exportpolitik als Haupttreiber der Preissteigerungen
Der weltweit wichtigste Lieferant für Photovoltaikmodule, China, schafft zum 1. April vollständig die Mehrwertsteuer-Exportvergünstigungen ab. Bereits im Dezember des vergangenen Jahres wurde diese Steuerrückerstattung von 13 auf neun Prozent reduziert. Jannik Schall, Mitgründer von 1komma5Grad, erklärt dazu: "Allein die Abschaffung der Exportvergünstigungen wird den Modulpreis um rund zehn Prozent steigen lassen." Diese Maßnahme trifft den deutschen Markt besonders hart, da fast 90 Prozent der hierzulande installierten Solarmodule aus China stammen.
Anhaltend hohe Rohstoffkosten verschärfen die Situation
Neben den politischen Entscheidungen aus China bleiben die Preise wichtiger Rohstoffe für die Solarmodulproduktion auf einem hohen Niveau. Die Entwicklung der Materialkosten zeigt ein gemischtes Bild:
- Aluminium, das für die Rahmen der Module benötigt wird, kostet derzeit etwa 26 Prozent mehr als im Oktober des vergangenen Jahres.
- Lithiumcarbonat, ein zentraler Grundstoff für Batterien, hat sich im Preis verdoppelt.
- Silber, das für die elektrische Leitfähigkeit in Solarzellen unverzichtbar ist, ist um rund 80 Prozent teurer geworden.
- Nur Polysilizium ist im Preis um 14 Prozent gefallen, kostet aber trotzdem etwa 37 Prozent mehr als noch im Sommer 2025.
Erwartete Auswirkungen auf den deutschen Markt
Die Industrie rechnet bei Solarmodulen, Stromspeichern und anderen elektrischen Komponenten mit spürbaren Zusatzkosten von 15 bis 20 Prozent. Jannik Schall betont: "Mittelfristig sind davon auch Privatkundinnen und -kunden betroffen." Bisher sind die verteuerten Rohstoffkosten in Deutschland noch nicht in vollem Ausmaß zu spüren – die Preise für Solarmodule sind bisher nur leicht gestiegen. Doch Schall prognostiziert: "Sobald sich die politischen Maßnahmen, Produktionskürzungen und hohen Rohstoffpreise vollständig in den Lieferketten widerspiegeln, ist mit steigenden Preisen auf dem deutschen Markt zu rechnen."
Kontext: Entwicklung des Solarausbaus in Deutschland
Die drohende Preisentwicklung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Ausbau von Solaranlagen bereits Schwankungen unterliegt. Laut Bundesverband Solarwirtschaft wurden 2025 etwa 30 Prozent weniger Solarstromanlagen im Eigenheimsegment errichtet als im Vorjahr. Dennoch zeigt die langfristige Entwicklung eine positive Tendenz: Seit 2020 ist die Gesamtzahl der Anlagen von 1,7 Millionen auf 4,1 Millionen gestiegen. Diese Wachstumsdynamik könnte durch die bevorstehenden Preissteigerungen jedoch gebremst werden.



