Gastronomie-Krise erreicht Höchststand: Über 2900 Insolvenzen im Jahr 2025
Gastronomie-Krise: Höchste Insolvenzzahl seit 2011

Gastronomie in historischer Krise: Insolvenzen erreichen Höchststand seit 2011

Die deutsche Gastronomiebranche befindet sich in einer tiefgreifenden Krise, wie aktuelle Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform belegen. Im Jahr 2025 sind mehr als 2900 Restaurants, Cafés und Bars in die Insolvenz gerutscht – der höchste Wert seit dem Jahr 2011 und ein dramatischer Anstieg um fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Vier Jahre kontinuierlicher Anstieg

Die Insolvenzzahlen in der Gastronomie sind bereits zum vierten Mal in Folge gestiegen, wie die Auswertung zeigt. Damit wird die Branche deutlich härter getroffen als die Gesamtwirtschaft, die lediglich einen Anstieg von 8,3 Prozent verzeichnete. In der fünfjährigen Periode von 2020 bis 2025 summierte sich die Zahl der Pleiten in der Gastronomie bundesweit auf insgesamt 11.252 Betriebe.

Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, erklärt die Gründe für diese Entwicklung: "Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt." Seit Beginn der Pandemie mussten zehntausende Restaurants und Lokale schließen, allein in den Jahren 2024 und 2025 gaben bundesweit etwa 24.500 Gaststätten auf.

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Mehrwertsteuersenkung kommt zu spät

Zu Jahresbeginn wurde zwar die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie als Entlastungsmaßnahme abgesenkt. Doch für viele Unternehmen kommt diese Hilfe laut Hantzsch "vermutlich zu spät". Gleichzeitig beobachtet der Experte einen grundlegenden Wandel im Konsumverhalten: "Der Konsum verschiebt sich immer stärker hin zu Lieferdiensten statt zu klassischen Restaurantbesuchen."

Veränderte Konsumgewohnheiten belasten Wirte

Die aktuelle Wirtschaftslage stellt viele Gastronomen vor existenzielle Probleme. Hohe Lohnkosten machen ein rentables Arbeiten für zahlreiche Wirte unmöglich. "Die steigenden Preise in Lokalen treffen auf eine Bevölkerung, die in vielen Bereichen spart", so Hantzsch. Die Folge: weniger Restaurant- und Barbesuche sowie Einsparungen bei Bestellungen.

"Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein. Das schlägt auf den Umsatz", beschreibt der Wirtschaftsforscher die prekäre Situation. Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe kämpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben. Vor allem in kleinen Städten und Dörfern dürfte dieser Wandel sichtbar werden.

Finanzielle Lage vieler Betriebe angespannt

Die Analyse von Creditreform zeigt eine dramatische finanzielle Situation in der Branche:

  • Bei knapp 40 Prozent der Unternehmen liegen die Eigenkapitalquoten bei weniger als zehn Prozent
  • Knapp ein Drittel aller Betriebe schreibt Verluste
  • Besonders stark stiegen die Insolvenzen in den Unterbranchen Restaurants, Gaststätten und Imbissstuben (plus 30,5 Prozent)
  • Caterer und Verpflegungsdienstleister verzeichneten einen Anstieg um 30,7 Prozent
  • Etwas geringer fiel der Anstieg bei Diskotheken und Getränkeausschank aus (plus 23,9 Prozent)

Düstere Prognose für 2026

Hantzsch erwartet für das Jahr 2026 eine weitere Zunahme der Insolvenzen und ein weiteres Ausdünnen der Gastronomielandschaft. Die strukturellen Probleme der Branche – kombiniert mit veränderten Konsumgewohnheiten und anhaltenden wirtschaftlichen Belastungen – lassen keine schnelle Besserung der Situation erwarten.

Für die Erhebung wertete Creditreform umfangreiches Datenmaterial aus, darunter Umsatzsteuerstatistiken sowie Zahlen zu Insolvenzen und Schließungen aus der eigenen Datenbank und dem Unternehmenspanel des Leibniz Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

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