Salman Rushdie startet Lesereise in Potsdam mit tiefgründigem Humor
In einem Abend voller literarischer Tiefe und leisem Witz hat Salman Rushdie seine kurze Buchtour durch Deutschland in Potsdam eröffnet. Der 78-jährige Schriftsteller stellte sein neues Werk "Die elfte Stunde" vor, das sich thematisch intensiv mit dem Tod auseinandersetzt. Die Veranstaltung im Nikolaisaal bildete den Auftakt zu weiteren Lesungen in Köln und München.
Ein Abend zwischen Tod, Literatur und persönlichen Reflexionen
Im Gespräch mit dem renommierten Literaturkritiker Denis Scheck sprach Rushdie nicht nur über sein aktuelles Buch, sondern auch über sein facettenreiches Leben als Schriftsteller. Die Schauspielerin Ursina Lardi bereicherte den Abend durch eindrucksvolle Lesungen aus der deutschen Übersetzung des Werkes. Die Geschichten in "Die elfte Stunde" kreisen um das existenzielle Thema des Todes und markieren Rushdies erstes belletristisches Werk seit dem verheerenden Anschlag auf sein Leben im Sommer 2022.
Sicherheitsvorkehrungen und historischer Kontext
Die Lesung in Potsdam fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Polizisten bewachten den Eingang, und alle Besucher mussten sich Taschenkontrollen unterziehen. Dieser Rahmen erinnerte an die lange Geschichte von Bedrohungen gegen den Autor. Bereits 1989 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini wegen des als blasphemisch empfundenen Romans "Die satanischen Verse" zur Ermordung Rushdies aufgerufen, was den Schriftsteller jahrelang in ein Leben im Versteck zwang.
Tiefgründigkeit und humorvolle Momente
Trotz des ernsten Rahmens dominierte Rushdies charakteristische Tiefgründigkeit und sein leiser Humor den Abend. Das Thema Alter nimmt der Autor mit bemerkenswerter Gelassenheit. Für seinen 100. Geburtstag schwebt ihm eine ausgelassene Tanzparty vor, wie er während der Veranstaltung verriet. Dabei erinnerte er sich an eine Geburtstagsfeier seines Schriftstellerkollegen Günter Grass in Hamburg, den er als brillanten Tänzer beschrieb, für den alle Mädchen Schlange standen.
Literarische Weisheiten und persönliche Einsichten
Zum Abschluss des Abends reflektierte Rushdie über seine mehr als 50-jährige Karriere als Schriftsteller und die Herausforderungen des kreativen Prozesses. Er betonte, dass zwischen der ursprünglichen Ambition und der tatsächlichen Umsetzung eines literarischen Projekts meist eine spürbare Lücke klaffe. "Und deine Aufgabe als Schriftsteller ist es, diese Lücke so klein wie möglich zu bekommen," erklärte der Autor. Er fügte hinzu, dass Menschen stets größer träumen, als sie erreichen könnten – eine grundlegende menschliche Erfahrung, die es zu akzeptieren gelte. "Wir sind nicht so gut, wie wir denken," resümierte Rushdie mit charakteristischer Bescheidenheit.
Prominente Gäste und kulturelle Bedeutung
Die Veranstaltung war Teil des renommierten Literaturfestivals Lit.Potsdam und zog zahlreiche prominente Gäste an. Unter den Zuschauern befand sich auch der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) würdigte den Abend als besonderes kulturelles Ereignis und betonte, es sei ein Geschenk, dass Rushdie die Deutschlandpremiere seines neuesten Werkes nach Potsdam gebracht habe. Die Lesereise des Autors setzt sich nun in Köln und München fort, wo weitere literarische Abende mit dem preisgekrönten Schriftsteller zu erwarten sind.



