Wal-Drama in der Ostsee eskaliert: Helfer erhalten Morddrohungen nach gescheiterter Rettung
Das tragische Schicksal eines gestrandeten Buckelwals in der Ostsee hat eine besorgniserregende Wende genommen. Nachdem alle Rettungsversuche für das majestätische Meeressäugetier gescheitert sind, werden nun die beteiligten Helferinnen und Helfer zunehmend angefeindet – bis hin zu konkreten Morddrohungen.
Umweltminister Backhaus kündigt Konsequenzen an
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) zeigt sich alarmiert über die Entwicklung. „Bedauerlicherweise nehmen seit dem Zeitpunkt, als klar wurde, dass das Tier nicht zu retten sein wird, die Anfeindungen gegen Beteiligte an der Hilfsmaßnahme zu – bis hin zu Morddrohungen“, erklärte der Minister in einer offiziellen Mitteilung.
Backhaus betonte zwar sein Verständnis für die emotionale Betroffenheit der Bevölkerung, machte jedoch deutlich: „Aber ich akzeptiere es nicht, dass Mitarbeitende auch im Privaten bedroht werden.“ Der Minister kündigte an, dass strafrechtlich relevante Aussagen – ob in sozialen Medien, per Zettel im Briefkasten oder per E-Mail – konsequent zur Anzeige gebracht würden.
Konflikt mit Influencer Robert Marc Lehmann
Besondere Brisanz erhält die Situation durch die Beteiligung des bekannten Meeresbiologen und Influencers Robert Marc Lehmann. Dieser hatte zunächst bei den Rettungsmaßnahmen geholfen, als der Wal noch in der Ostsee beim Timmendorfer Strand lag. Wegen offenbar unterschiedlicher Meinungen wurde Lehmann jedoch von weiteren Maßnahmen ausgeschlossen.
Die Behörden warfen dem Influenter nach dessen eigenen Angaben „Selbstdarstellung“ vor. Inzwischen hat sich die Situation jedoch etwas entspannt. Backhaus verwies darauf, dass „der viel zitierte Robert Marc Lehmann gestern seiner Community und auch mir gegenüber eingeräumt hat, dass es sinnlos wäre, zu versuchen, noch mögliche Reste eines Fischernetzes aus dem Maul des Wals zu entfernen“.
Letzte Betreuung für den sterbenden Wal
Während die menschlichen Konflikte eskalieren, nähert sich das Leben des Buckelwals seinem Ende. Das Tier wird rund um die Uhr durch die Wasserschutzpolizei und eine spezielle Walwache an Land betreut. Kräfte der Feuerwehr benetzen den Wal regelmäßig mit Wasser, um seine letzten Stunden zu erleichtern.
„Wir werden das Tier weiter begleiten – bis zum Schluss. Um ihm seine Situation angenehmer zu machen, wurde heute damit begonnen, den Rücken des Wals, der aus dem Wasser ragt, zu benetzen“, erklärte Backhaus, der sich persönlich vor Ort ein Bild machte.
Die Experten hatten diese Hilfsaktion empfohlen, um lindernde Umstände für den Wal zu schaffen. „Der Vorgang soll alle zwei bis drei Stunden wiederholt werden“, so der Minister. Die Haut des Tieres trockne aus, was schmerzhaft und gefährlich sei.
Ungewisser Zustand und wissenschaftliche Vorbereitungen
Da der Wal inzwischen deutlich stärker aus dem Wasser ragt, ist es schwieriger zu erkennen, ob er noch atmet. Ein Sprecher des Umweltministeriums erklärte, dass bei Verdacht auf Atemstillstand sofort ein Veterinär hinzugezogen werde.
Parallel laufen bereits umfangreiche Vorbereitungen für die Zeit nach dem Tod des Tieres:
- Eine Unterwasserdrohne hat erstmals detaillierte Bilder von dem Wal, seiner Liegeposition und seinem Hautzustand gemacht
- Die Aufnahmen werden tiermedizinisch ausgewertet
- Ein Vermessungsboot hat das Terrain um den Wal erkundet, um die spätere Bergung vorzubereiten
- Das Deutsche Meeresmuseum plant eine wissenschaftliche Obduktion
Komplexe Bergung und wissenschaftliche Untersuchung
Die Bergung des Walkörpers stellt eine besondere technische Herausforderung dar, da die Wassertiefe in der Bucht zwischen Wismar und der Insel Poel nur 90 bis 110 Zentimeter beträgt. Nach seinem Tod soll das Tier zur Insel Dänholm zwischen Stralsund und Rügen transportiert werden.
Die geplante Obduktion wird von externen und unabhängigen Expertinnen und Experten durchgeführt und umfasst:
- Untersuchungen zu möglichen Krankheiten und zur Todesursache
- Vermessung und Gewichtung von Körper und Organen
- Entnahme von Proben für die wissenschaftliche Forschung
- Fachgerechte Behandlung des Walkörpers durch ein spezialisiertes Entsorgungsunternehmen
Langer Leidensweg des Buckelwals
Der Buckelwal hatte seit Anfang März einen wahren Leidensweg hinter sich. Viermal hatte sich das Tier festgesetzt, dreimal war es ihm gelungen, wieder loszuschwimmen. Seine Stationen:
- Erste Sichtung im Hafen von Wismar
- Später am Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein
- Letztlich Strandung vor Wismar
Die Rettungsversuche waren am Mittwoch endgültig eingestellt worden. Den Fachleuten und Meeresschützern vor Ort zufolge wird das Tier in dieser Bucht sterben. Wie lange es noch überleben wird, lässt sich nach Einschätzung der Experten nicht vorhersagen.
Die Organisation Greenpeace, die zunächst Aufnahmen des gestrandeten Wals zur Verfügung gestellt hatte, erklärte inzwischen, den Wal in Ruhe lassen und daher nicht mehr zu ihm fahren zu wollen. „Ziel sei primär immer die Rettung des Wals gewesen“, betonte eine Sprecherin der Umweltorganisation.



