Winterlicher Spaziergang in Neubrandenburg: Vom Naturerlebnis zur Konfrontation mit dem Tod
Winterlicher Spaziergang: Vom Naturerlebnis zur Todeskonfrontation

Winterlicher Spaziergang in Neubrandenburg: Vom Naturerlebnis zur Konfrontation mit dem Tod

Der Nordosten Deutschlands wurde in diesen Tagen vom Wetterchaos beherrscht. Eisregen und spiegelglatte Wege machten einer breiten Region zu schaffen. Trotz der widrigen Bedingungen müssen Kinder am Wochenende raus, wenn es irgendwie möglich und verantwortbar ist. So ist das bei vielen Familien und auch bei uns.

Ein Naturschauspiel mit Faszination und Tücke

Was für ein Naturschauspiel sich uns bot, als wir von der Rostocker Straße kommend in den Oberbach-Weg einbogen, konnte keiner ahnen. Das Gewässer taute an einigen Stellen langsam auf, während der Gehweg daneben noch immer spiegelglatt war. Wir waren offensichtlich fast die einzigen, die sich hinausgewagt hatten. Umso besser für uns: Denn sofort eröffnete sich uns die Sicht auf ein spektakuläres, aber auch morbide anmutendes Naturschauspiel.

Stockenten, Silberreiher, Blässhühner, Graureiher und Kormorane – alle dicht gedrängt und über den Oberbach verteilt. Entsprechend leuchtende Augen und neugierige Blicke bei meinem fünfjährigen Sohn. Schnell machten sich Zufriedenheit und Entspannung bei mir als Vater breit. Neben den Betreuungsmöglichkeiten war dies ein schlagendes Argument für unseren Umzug Ende 2024. „Auch darum sind wir von Berlin nach Neubrandenburg gezogen“, sagte ich zu meinem Sohn. Er verstand.

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Leblos auf dem Eis: Die plötzliche Konfrontation

Dann kam der Zeigefinger. „Papa, was ist das? Ist der tot?“ Er meinte ein regungsloses schwarzes Lebewesen auf der Oberfläche des Oberbachs. Und dann noch eins. Und noch eins. Tote Kormorane. Wir als Nordkurier hatten bereits ausführlich darüber berichtet. Das half mir etwas in der Situation. Denn es ist eine komische Ambivalenz, mit seinem Sohn auf Entdeckungsreise in der Natur zu sein, sich am Treiben der Tiere zu erfreuen und plötzlich tote Exemplare sehen und als Vater einordnen zu müssen.

So sehr uns auch der Satz „Das ist halt die Natur“ tröstet, wird plötzlich ein Fünfjähriger mit dem Tod konfrontiert und manch Erwachsener mit potenzieller Erklärungsnot. Ich konnte adäquat reagieren, denke ich, und sagte einfach die Wahrheit. Kormorane ernähren sich ausschließlich von Fisch. Wenn Seen, Flüsse oder Küstengewässer zufrieren, finden sie keine Nahrung mehr. Ohne große Fettreserven verhungern und verenden sie innerhalb weniger Tage.

Atemberaubende Szenen vor Ort

Dieser tragische Anblick eröffnete sich uns an diesem Samstagvormittag immer wieder. Jeder Meter war voller Überraschungen und imposanter Eindrücke. Immer wieder flogen Formationen von Reihern schnatternd über unsere Köpfe hinweg. Am Rande der langsam auftauenden Eisschollen am Ufer des Tollensesees machten sich Horden verschiedener Vogelarten breit. Dazu Schwäne, die uns schwimmend am Rande der Seebrücke am Brodaer Strand auf und ab folgten.

Optisch eine melancholische Grau-Romantik, akustisch umschlossen mit den Geräuschen der Tiere. Und das alles mitten in der Stadt. „Papa, hier ist keiner außer uns“, konstatierte mein Fünfjähriger treffsicher und verstärkte damit mein Argument für den Umzug in die Heimat. Ich genoss einfach den Moment.

Ein wildes Spektakel in 90 Minuten

Auf dem Rückweg plötzlich ein erbarmungslos geführter Kampf zwischen zwei Silberreihern auf dem Oberbach. Das aufgenommene kurze Video dazu läuft bei uns seitdem in Dauerschleife. Was folgt, sind Entenvögel, die beim Landen auf dem Eis ausrutschen. Und wieder tote Lebewesen auf dem Gewässer – diesmal nicht nur neu entdeckte Kormorane. Vielleicht war es sogar ein Fuchs?

Was für ein wildes Spektakel in 90 Minuten. Spannender als jedes Fußballspiel in der gleichen Zeit. Und auch fordernd, will ich doch meinen Sohn adäquat auffangen, wenn ihn tote Tiere auf dem Eis verständlicherweise beschäftigen. Dazu zwei Erkenntnisse: Gut, dass wir uns rausgetraut und vorsichtige Schritte Richtung See gewagt haben. Und: Ja, trotz aller Widrigkeiten und Probleme war es richtig, als naturverbundener Mensch mit zwei kleinen Kindern in die Heimat zu ziehen.

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