Wohnungsnot in Nordwestmecklenburg: IG BAU warnt vor Armut bei Azubis und Rentnern
Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Nordwestmecklenburg spitzt sich weiter zu. Besonders junge Menschen in der Ausbildung und ältere Bürger im Rentenalter geraten zunehmend unter Druck, da sie sich bezahlbaren Wohnraum kaum noch leisten können. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) schlägt Alarm und fordert dringend politische Maßnahmen zur Entschärfung der Krise.
Azubis ohne eigene Wohnung: Ein Problem für die regionale Wirtschaft
Laut Jörg Reppin, Bezirksvorsitzender der IG BAU Mecklenburg, wohnen viele der etwa 1770 Auszubildenden im Landkreis Nordwestmecklenburg noch bei ihren Eltern – oft nicht aus freien Stücken, sondern weil eine eigene Wohnung finanziell unerschwinglich ist. Der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat, bestätigt diese besorgniserregende Entwicklung.
„Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben“, warnt Reppin. Tragisch sei es, wenn Jugendliche eine Ausbildung nicht antreten können, weil sie weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe ihres Ausbildungsbetriebs bezahlen können.
Die IG BAU fordert daher den Bau neuer Azubi-Wohnungen, insbesondere im Umfeld von Ausbildungszentren. Reppin spricht sich zudem für Steueranreize aus, wenn Betriebe dafür sorgen, dass ihre Auszubildenden eine bezahlbare Unterkunft erhalten. Auch Studierende seien von den Problemen auf dem Wohnungsmarkt betroffen, weshalb es in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben müsse.
Wohnarmut im Alter: Baby-Boomer in finanzieller Not
Neben den jungen Menschen warnt die Gewerkschaft auch vor prekären Wohnverhältnissen im Rentenalter. Im Landkreis Nordwestmecklenburg werden nach Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 etwa 22.300 Baby-Boomer komplett in Rente sein. Viele von ihnen erhalten aufgrund von Phasen der Arbeitslosigkeit oder niedrigen Löhnen nur eine geringe Rente.
„Wenn die Baby-Boomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, werden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: Sie wohnen sich regelrecht arm“, erklärt Jörg Reppin. Die Mietpreise steigen seit Jahren kontinuierlich an, was die finanzielle Belastung für Rentner zusätzlich verschärft.
Forderungen der IG BAU: Mehr Sozialwohnungen und vereinfachtes Bauen
Um die Wohnungskrise zu bewältigen, fordert die IG BAU eine deutliche Ausweitung des Sozialwohnungsbestands. Der „Soziale Wohn-Monitor“ nennt als Zielmarke die Verdopplung der Sozialwohnungen bundesweit von derzeit einer auf zwei Millionen bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts. Für Mecklenburg-Vorpommern bedeutet dies konkret, dass bis 2035 etwa 44.600 Sozialwohnungen vorhanden sein müssten – eine Steigerung von 3900 zusätzlichen Wohnungen pro Jahr.
Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, sei eine intensive Förderung durch den Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern notwendig. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Baukosten: Der Regelstandard „Erleichtertes Bauen“ biete eine ideale Lösung, um einfacher und kostengünstiger zu bauen. „Es geht darum, einfacher zu bauen – und damit fürs gleiche Geld mehr Sozialwohnungen bauen zu können. Und das trotzdem in guter Qualität, mit niedrigen Instandhaltungskosten“, erläutert Reppin.
Die IG BAU betont, dass sinkende und damit bezahlbare Mieten dringend notwendig seien, um die soziale Spaltung in der Region zu verhindern. Ohne entschlossenes Handeln von Politik und Wirtschaft drohe die Wohnungsnot in Nordwestmecklenburg weiter zu eskalieren.



