Traumjob auf historischen Schienen: 23-Jähriger steuert legendären Molli
Für Maurice Peters ist jeder Arbeitstag ein gelebter Kindheitstraum. Der 23-jährige Eisenbahnfan arbeitet seit etwa anderthalb Jahren als Zugführer auf der historischen Schmalspurbahn Molli, die zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan an der Ostseeküste verkehrt. „Der Molli war schon immer mein Traum“, erklärt der aus der Nähe von Cottbus stammende junge Mann, der bereits in Kindertagen während des Urlaubs an der Küste von der dampfenden Bahn fasziniert war.
Handarbeit statt moderner Technik
Beim Molli ist noch echte Handarbeit gefragt. Anders als bei modernen Zügen wird hier nicht alles über Sensoren und Elektronik gesteuert. „Wenn etwas nicht funktioniert oder an einer Stelle hakt, ist unser Tüftlergeist gefragt“, berichtet Peters. Die benötigten Ersatzteile für die Loks und Waggons können nicht einfach irgendwo bestellt werden – sie werden in der werkseigenen Werkstatt der Mecklenburgischen Bäderbahn (MBB) selbst hergestellt.
Frank-Christian Kant von der MBB informiert: „Wir haben derzeit vier Loks im Bestand sowie 37 Reisezugwagen aus den 1910er- und 1920er-Jahren, die in den 1970ern rekonstruiert wurden.“ Diese historischen Waggons sind das Arbeitsumfeld von Maurice Peters, der hier seine vielfältigen Aufgaben erfüllt.
Vielfältige Aufgaben eines Zugführers
Die Tätigkeiten des 23-Jährigen sind abwechslungsreich und anspruchsvoll:
- Kontrolle und Verkauf der Fahrkarten (mittlerweile mit moderner Technik)
- Überprüfung der Bremsen aller Waggons auf ihre Funktionstüchtigkeit
- Kontrolle der Innenausstattung und wichtiger Systeme wie der Heizung
- Betreuung und Beratung der zahlreichen Fahrgäste
Gerade im Winter bei frostigen Temperaturen war die Heizungsüberprüfung besonders wichtig. Die Fahrgäste haben nicht nur praktische Fragen zu Ausstiegsmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten in Bad Doberan oder Kühlungsborn, sondern interessieren sich auch für technische Details der historischen Bahn.
Dampflok-Technik hautnah erleben
Eine häufig gestellte Frage betrifft den Kohleverbrauch der Dampflok. „Zwischen 1,5 und 2 Tonnen Kohle verbraucht der Molli pro Tag“, weiß Peters aus Erfahrung. Der 23-Jährige hat sich auch schon als Heizer versucht und betont: „Das ist gar nicht so einfach. Das richtige Beheizen der Lok ist eine kleine Wissenschaft für sich.“
Frank-Christian Kant ergänzt: „Bis eine Lok auf Betriebstemperatur ist, dauert es mehrere Stunden. Deshalb ist sie gleich für mehrere Tage am Stück im Einsatz und wird Tag und Nacht beheizt.“ Für echte Dampflok-Enthusiasten bietet das Unternehmen sogar Sonderfahrten an, bei denen sie dem Lokführer und seinem Heizer bei der Arbeit zuschauen und die alte Technik hautnah erleben können.
Nostalgie pur für 500.000 Fahrgäste jährlich
Das ganze Jahr über dampft der Molli auf seiner Strecke und befördert etwa 500.000 Fahrgäste pro Jahr – im Stil wie vor 100 Jahren. Was den Molli für Maurice Peters so besonders macht, sind die charakteristischen Merkmale der historischen Bahn:
- Die faszinierende alte Technik
- Der aufsteigende Rauch aus der Lok
- Das typische Rattern der Schienen
- Das unverwechselbare Läuten und Pfeifen
Ein weiterer angenehmer Aspekt seines Traumjobs: „Die Fahrgäste sind hier deutlich entspannter als beim modernen Pendant der Deutschen Bahn“, beobachtet der 23-jährige Zugführer. Die historische Schmalspurbahn, die am 9. Juli 1886 erstmals zwischen Doberan und Heiligendamm dampfte, bleibt damit nicht nur ein nostalgisches Verkehrsmittel, sondern auch ein lebendiges Stück Technikgeschichte – und für Maurice Peters der erfüllte Kindheitstraum.



