Bergung von Buckelwal in Ostsee gestartet: Helfer am Werk
Bergung von Buckelwal in Ostsee gestartet

Der Bergungsversuch des gestrandeten Buckelwals in der Ostsee hat am Vormittag begonnen. Helfer bestiegen im Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel Boote und fuhren zu dem Wal, der seit vier Wochen in einer flachen Bucht vor Wismar feststeckt. In Livestreams war zu sehen, wie sie begannen, dem Tier Gurte anzulegen, um es durch eine ausgebaggerte Rinne zu einem bereitliegenden Lastkahn zu führen. Der Wal ließ die Prozedur zunächst ruhig über sich ergehen.

Optimismus bei Minister und Geldgeberin

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus gab sich optimistisch. „Bis Sonnenuntergang sollte es möglichst gelungen sein, den Wal auf der Barge zu haben“, sagte er in Kirchdorf. Auch Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, zeigte sich zuversichtlich: „Wir wollen heute fertig werden.“

Grünes Licht für Gurte

Die Behörden gaben Backhaus zufolge grünes Licht, den rund zwölf Tonnen schweren Meeressäuger mit Hilfe von Gurten durch eine rund 100 Meter lange Rinne zu dem mit Wasser gefüllten Lastkahn zu führen. Diese Rinne wurde in den letzten Tagen ausgebaggert. Wenn die Aktion gelingt, soll der Buckelwal auf der Barge wie in einem riesigen Aquarium in die Nordsee gebracht werden. Solche Bargen werden normalerweise für den Transport von Schiffen genutzt.

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Backhaus betonte, es sei der „Tag der Entscheidung“. „Wir brauchen heute Ruhe, wir brauchen heute Glück“, sagte er. Mit Blick auf einen möglichen Erfolg fügte er hinzu: „Für mich wäre es mit eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.“

Risiken und Expertenwarnungen

Der Minister räumte jedoch ein, dass es sich bei dem Wal um ein Wildtier handele, dessen Reaktion auf das Anlegen des Gurtsystems nicht absehbar sei. Die Tierärzte der privaten Initiative sehen den Buckelwal als transportfähig an. Der Gesundheitszustand sei gut, die Atmung tief und ohne Geräusche. Unabhängige Experten kommen hingegen zu einem anderen Schluss und raten von der Aktion ab. Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, das Tier sollte größtmögliche Ruhe erhalten und ausschließlich palliativ versorgt werden. „Von weiteren Manipulationen am Wal“ sei abzusehen. Der Allgemeinzustand des Wales habe sich weiter verschlechtert, und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Die Aktion sei zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden, erklärten die Forscher unter Verweis auf ähnliche Einschätzungen der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.

Hintergrund: Wal seit Wochen in der Bucht

Der rund zwölf Meter lange Meeressäuger steckt seit dem 31. März in der Bucht fest. Schon zuvor hatte das Tier sich mehrmals in flachem Wasser nahe der Küste festgesetzt, sich zwischenzeitlich aber wieder freischwimmen können. Bereits Anfang März war der Buckelwal in Küstennähe aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Damals gelang es dem Tier, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer, sondern schwamm wieder Richtung Wismar und schließlich in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber wenig später am Ausgang der Bucht wieder fest.

Private Initiative und Finanzierung

Backhaus hatte Mitte April trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft entschieden, die Versuche der privaten Initiative zu dulden. Diese wird neben der Unternehmerin Karin Walter-Mommert vom MediaMarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. Die Initiative hat den Lastkahn herangeschafft, um den Wal damit in die Nordsee zu bringen. Ein vorheriges Konzept der Gruppe gelang nicht und wurde verworfen.

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