Gestrandeter Buckelwal in der Ostsee: Biologe als Wal-Flüsterer im Einsatz
Vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein spielen sich filmreife Szenen ab: Ein riesiger Buckelwal ist in der Ostsee gestrandet und festsitzend. Mitten im Geschehen befindet sich der Biologe Robert Marc Lehmann, der durch seine YouTube-Präsenz bekannt ist. In einem Neoprenanzug geht er auf Tuchfühlung mit dem gestrandeten Meeressäuger und koordiniert die laufenden Rettungsversuche mit schwerem Gerät.
Vertrauen durch Berührung: Der Wal reagiert auf menschliche Nähe
„Mittlerweile vertraut mir der Wal“, erklärte Lehmann am Donnerstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Der wird ganz ruhig, wenn man die Hand auflegt.“ Diese Beruhigung sei entscheidend, damit Bagger direkt am Tier arbeiten können. Ohne diese Nähe werde der Wal super nervös, so der Experte. Am Donnerstagnachmittag waren Bagger sowohl von der Seeseite als auch vom Strand aus im Einsatz, um den Bereich um den Wal herum auszubaggern und dem Tier so Bewegungsfreiheit zu verschaffen.
Lehmann betonte, dass Wale sich auch untereinander viel berühren. „Das heißt, Berührung ist was Gutes für den, wenn er einem vertraut.“ Diese Erkenntnis nutzt er, um den Wal zu motivieren. „Einmal hat er gemerkt, 'okay hier wird's tiefer, ich hab' Bock mal zu starten'.“ Diese Reaktion stimme ihn hoffnungsvoller als zu Beginn der Rettungsaktion.
Motivation trotz schwieriger Prognose: Die Rettung bleibt ein Kampf
Der Biologe beschrieb, wie er den Wal in die richtige Richtung drücken konnte. „Ich hab' ihn gedrückt in die richtige Richtung.“ Selbst bei einem 15 bis 20 Tonnen schweren Tier sei dies möglich, da es auf Druck reagiere. Ob Wal, Hund oder Pferd – man merke, wenn sich das Tier bewege oder es versuche. Die Motivation des Wals sei deutlich spürbar, was Lehmann zuversichtlich stimmt.
Trotz aller Bemühungen hält Lehmann einen erfolgreichen Ausgang des Befreiungsversuchs für unwahrscheinlich. „Aber wir geben alle unser Bestes“, versicherte er. Die Helfer setzen alles daran, dem Buckelwal eine Chance auf Rückkehr ins offene Meer zu geben, auch wenn die Herausforderungen enorm sind.



